Interview Meldung

Ombudsmann Horst-Diether Hensen

Horst-Diether Hensen, Ombudsmann der privaten Banken, hat die Deutsche Bank verpflichtet, einem Sparplan-Anleger 860 Euro Zinsen nachzuzahlen. Die Bank hatte mit einem höheren Zinssatz geworben, als sie dann tatsächlich zahlte.

Finanztest: Warum war die Geschäftspraxis der Bank unzulässig?

Hensen: Der Fall betraf die damalige Deutsche Bank 24. In den Vertragsunterlagen zum Sparplan hieß es, dass sich der Zinssatz während der Vertragsdauer ändern könne. Die Bank hat aber vom Vertragsbeginn an nur den gewöhnlichen Sparzins gezahlt und nicht die 5,5 Prozent, mit denen sie den Kunden gelockt hatte. Ich habe die Bank verpflichtet, mit 5,5 Prozent zu beginnen. Sie musste für die ganze Vertragsdauer die erste Differenz zum gewöhnlichen Sparzins aufschlagen - in diesem Fall 1 Prozent.

Finanztest: Gilt Ihr Schiedsspruch auch für vergleichbare Fälle?

Hensen: Mein Schiedsspruch hat keine „Rechtskraft“ für vergleichbare Fälle. Falls es ihretwegen zu Schlichtungsverfahren kommen sollte, werden sie aber in gleicher Weise von den Ombudsleuten entschieden werden.

Finanztest: Dass die Banken mit hohen Zinssätzen werben, später aber weniger auszahlen, ist bei vielen Kreditinstituten gängige Praxis. Erwarten Sie nun eine Fülle von Beschwerden?

Hensen: Ich nehme an, dass die Banken sich in solchen oder ähnlichen Fällen mit den Kunden einigen, sodass Schlichtungsverfahren überflüssig werden.

Kontakt zum Ombudsmann:
Kundenbeschwerdestelle
Bundesverband deutscher Banken
Postfach 04 03 07
10062 Berlin.

Dieser Artikel ist hilfreich. 304 Nutzer finden das hilfreich.