Interview Meldung

Kai-Jochen Neuhaus, Kanzlei Himmelmann & Pohlmann

Schätzungsweise drei Millionen alte Heizkessel müssen in Deutschland bis Ende 2006 erneuert werden. Wozu Eigen­tümer in Sachen Heizung und Wärmedämmung verpflichtet sind und welche Belastungen auf Mieter zukommen, erklärt Anwalt Kai-Jochen Neuhaus aus Dortmund.

Finanztest: Muss jetzt nach der Energiesparverordnung jeder alte Kessel raus?

Neuhaus: Wer Kessel hat, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut wurden, muss mit einer modernen Anlage bis Ende 2006 nachrüsten. Sonst drohen Bußgelder. Ausnahmen macht die Energiesparverordnung nur bei Brennern, die nach dem 1. November 1996 erneuert wurden. Die müssen spätestens Ende 2008 auf dem neuesten Stand sein. Thermen, die nur für Warmwasser genutzt werden, müssen nicht erneuert werden.

Finanztest: Ist mit dem Einbau eines neuen Kessels alles erledigt?

Neuhaus: Nein. Eigentümer müssen es bis zum selben Termin geschafft haben, auch ungedämmte Wärmeleitungen und oberste, nicht begehbare Geschossdecken nach dem neuesten Stand der Technik abzudämmen.

Finanztest: Wer zahlt das alles?

Neuhaus: Zunächst mal der Eigentümer. Allerdings darf er die Energiesparinvestitionen zur Grundlage einer Mieterhöhung machen und bis zu 11 Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete aufschlagen. Mieter sollten dabei aber ihre Rechte kennen. So sind Vermieter verpflichtet, spätestens drei Monate vor Arbeitsbeginn schriftlich über die Details der Modernisierungsmaßnahmen und die zu erwartende Mieterhöhung zu informieren. Mieter haben dann ein außer­ordentliches Kündigungsrecht. Die Vermieter, die die Modernisierungsfrist (Ende 2006) nicht einhalten, werden sehr wahrscheinlich gar keine Mieterhöhung fordern dürfen. Günstige Kredite bekommen Vermieter für die Modernisierung etwa von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die Kreditkosten dürfen sie aber nicht auf die Mieter abwälzen.

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