Interview Mit einer Ausbildungs­versicherung falsch bedient

20.01.2005

Wer Kinder bekommt, bekommt auch viel Werbung. Versi­cherungen zum Beispiel wollen die frisch gebackenen Eltern zum Abschluss einer Ausbildungsversicherung überre­den. Was sind das für Verträge?

Das ist eine Variante der Kapital bildenden Lebensversicherung. Bei diesen Policen werden allerdings – auch bei Tod während der Vertragsdauer – die Versi­che­rungssumme und die Überschüsse nicht sofort nach dem Tod der versicherten Person gezahlt. Stattdessen wird der Vertrag beitragsfrei weitergeführt. Erst zum vereinbar­ten Schlussalter wird das Geld ausge­zahlt. Solche Policen sollten auf das Leben des Hauptverdieners in der Familie als versicherter Person abgeschlossen werden.

Sind solche Verträge sinnvoll?

Ein Hochschulstudium zu finanzieren, kostet heute etwa 50 000 Euro, da ist Sparen vernünftig. Aber wogegen soll die Versi­cherung schützen? Ein Risiko ist doch allenfalls insofern abzudecken, als der Hauptverdiener sterben könnte und die Hinterbliebenenrente der gesetzlichen Rentenversicherung nicht reicht, um ein Studium zu finanzieren. Wer das Kind davor schützen will, sollte eine normale Risikolebensversicherung auf das Leben der Eltern abschließen. Das ist viel billiger.

Oft sind es die Großeltern, die mit einer Ausbildungspolice einfach nur Geld zum Studium zugeben wollen.

Dann geht es nicht ums Absichern, sondern ums Sparen. Wer das will, ist mit einer Ausbildungsversicherung falsch bedient, denn die Renditen sind in der Regel nicht gerade üppig.

Was ist denn besser?

Die Ausbildung der Kinder ist nicht in erster Linie eine Frage der Versicherung, sondern der Geldanlage. Sie brauchen also einen Sparvertrag. Es gilt die Devise: Trennen Sie Versicherung und Geldanlage – also für das Todesfallrisiko eine Risikolebensversicherung, fürs Sparen einen Sparvertrag. Angesichts der langen Laufzeit von etwa 20 Jahren würden sich Aktienfonds anbieten, für vorsichtige Sparer defensive Mischfonds oder – für ganz sicherheitsorientierte Anleger – reine Rentenfonds.

Dann müssen die Eltern die Kapitaleinkünfte versteuern.

Nicht, wenn sie das Geld auf den Namen der Kinder ansparen. Dann bleiben Erträge in Höhe des Sparerfreibetrags von 1 421 Euro und des Steuer-Grundfreibetrags von 7 670 Euro steuerfrei, zusammen also 9 091 Euro jährlich.

Es heißt auch, die Verträge seien „Hartz-IV-sicher“.

Da sind sie nicht sicherer als andere Sparformen auch. Für Kinder gilt beim Arbeitslosengeld II ein Freibetrag von 4 850 Euro.

20.01.2005
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