Interview Meldung

Verena Mittendorf, Vizepräsidentin des Deutschen Anwaltvereins

Viele Menschen fürchten die Anwaltskosten. Denn nicht immer ist es möglich, den Preis vorab in der Kanzlei zu klären. Warum die Kostenfrage so schwierig ist und wann der Gegner zahlen muss, erklärt Verena Mittendorf. Sie ist Vizepräsidentin des Deutschen Anwaltvereins.

Finanztest: Muss man seine Anwaltsrechnung immer selber zahlen?

Mittendorf: Zwar gilt „Wer die Musik bestellt, zahlt“. Doch in manchen Fällen wie im Streit um Schadenersatz ist meist der unterlegene Gegner in der Pflicht: Hat der eigene Anwalt ­etwa erreicht, dass die gegnerische Versicherung einen Schaden begleicht, zahlt sie auch den ­Anwalt. Zahlen muss der Gegner auch, wenn er mit Leistungen im Verzug ist und deshalb der Anwalt nötig wird. Die Rechnung geht dann an den Gegner. Oft passiert es aber, dass er sich weigert. Dann muss der Mandant selbst zahlen und den Gegner auf Erstattung verklagen.

Finanztest: Wie steht es mit den Kosten, wenn ein Streit vor Gericht geht?

Mittendorf: Grundsätzlich zahlt der Verlierer alles. Gewinnt der Kläger nur teilweise, werden die Kosten entsprechend aufgeteilt.

Finanztest: Viele Anwälte lassen sich vorab auf ein unverbindliches Gespräch über die Kosten ein. Warum informieren nicht alle Anwälte vorab gratis über die Gebühren?

Mittendorf: Es ist nicht immer möglich. Meist richtet sich die Gebühr nach dem Streitwert. Nur wenn der sofort ersichtlich ist, kann der Anwalt Mindest- und Höchstgebühren klar benennen. Müsste er dafür tief in den Fall einsteigen, sollte eine Erstberatung vereinbart werden. Die kostet auch in großen Angelegenheiten maximal 190 Euro. Bei kleinen Fällen gibt es den ersten verbindlichen Rechtsrat ab 10 Euro.

Dieser Artikel ist hilfreich. 307 Nutzer finden das hilfreich.