Interview Meldung

Martin Toennes ist Steuerberater in Osnabrück

Wird alles teurer? Was eine Anhebung auf 18 Prozent kosten würde.

Die Mehrwertsteuer soll erhöht werden. In der Diskussion ist eine Anhebung von 16 auf 18 Prozent. Wird dann alles teurer?

Nicht alles. Es gibt einige Waren und Dienstleistungen, die gar nicht der Mehrwertsteuer unterliegen. Das sind vor allem Mieten, Versicherungen, Baudarlehen. Oder auch Immobilienkäufe, für die 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer fällig sind.

Was bedeutet der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent?

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Für die meisten Lebensmittel gilt der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent.

Er gilt unter anderem für die meisten Lebensmittel, für Bücher, Fahrscheine unter 50 Kilometern, für Kino-, Konzert-, Zirkuskarten, Kunst. Er wird wohl nicht erhöht.

Sie meinen, ein Großteil der Ausgaben privater Haushalte bliebe von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer unberührt?

Nehmen wir einen Haushalt mit 2 500 Euro Netto­einkommen, der überschlägig kalkuliert 700 Eu­ro an Kaltmiete ausgibt, 400 Euro für Lebensmittel und vielleicht noch 300 Euro für Nahverkehr sowie Bücher oder Versicherungen und 200 Euro fürs Alter zur Seite legt. Da bleiben Ausgaben von 900 Euro, die der vollen Mehrwertsteuer unterliegen. In diesen 900 Euro waren bisher 124 Euro Mehrwertsteuer enthalten, 16 Prozent. Bei einer Erhöhung auf 18 Prozent würde die Steuer 140 Euro betragen. Dieser Haushalt würde also mit monatlich 16 Euro belastet.

Immerhin knapp 200 Euro im Jahr.

Es könnte auch weniger sein, denn es ist fraglich, ob der Handel die Steuerer­höhung voll auf die Kundschaft abwälzen kann. Beispielsweise wird man Schwellenpreise von 1,99 Euro nicht einfach auf 2 Euro anheben. Auch bei größeren Anschaffungen werden die Anbieter vorsichtig sein. Ein Auto, das bisher 20 000 Euro kostet, würde künftig 20 344 Euro kosten.

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