Interview Meldung

Rechtsanwalt Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin über Anonymität im Internet.

„Wir haben Ihre IP-Adresse“ – damit drohen Firmen, die sich auf Abofallen im Internet spezialisieren. Woher haben die diese Adresse?

Jeder Computer erhält bei jeder Interneteinwahl eine Internet-Protokoll (IP)- Nummer, meist bei jeder Einwahl eine neue. Die Nummer individualisiert den Internetanschluss und schlägt damit eine Brücke zum Anschlussinhaber.

Aber nur der Provider weiß, welcher Kunde hinter der IP-Nummer steckt. Darf er denn die Adresse verraten?

Nein. Dafür muss die Firma erstmal bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen des Verdachts einer Straftat erstatten. Nur wenn ein hinreichender Verdacht besteht, wird der Staatsanwalt ein Ermittlungsverfahren einleiten und bei dem Provider anfragen, wem die IP gehörte.

Drohen also Strafen, wenn man im Netz einen falschen Namen angibt?

Das kommt darauf an. Lügen sind ja nicht per se verboten, zum Beispiel sich eine Gratis-Mailadresse unter falschem Namen zu besorgen – was viele schon deshalb tun, um sich vor Werbung zu schützen. Anders ist das aber, wenn jemand eine kostenpflichtige Dienstleistung nutzt und einen falschen Namen angibt, um sich vorm Bezahlen zu drücken – also wenn ein Kunde sich völlig darüber im Klaren ist, dass es sich um ein kostenpflichtiges Angebot handelt. Aber bei den typischen Abo-fallen fehlt es gerade daran, weil über den Preis nur unzureichend informiert wird. Mir ist auch kein Fall bekannt, wo ein Staatsanwalt aktiv geworden ist, im Gegenteil: Gerade die Betreiber solcher Seiten bekommen inzwischen Ärger mit der Staatsanwaltschaft.

Wie lange werden die IP-Adressen gespeichert?

Bislang dürfen die Daten nur so lange gespeichert werden, wie es für Entgeltabrechnung und Störungsermittlung erforderlich ist. Ab 2009 sind Internet­anbieter zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet und müssen die Informa­tionen sechs Monate sichern. Diese Daten dürfen an die Staatsanwaltschaft aber nur zur Verfolgung schwerer Straftaten herausgegeben werden.

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