Interview Meldung

Michael Wortberg ist Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Die meisten Versicherungsgesellschaften kürzen derzeit die Überschussbeteiligungen, meist um 0,5 bis 1 Prozentpunkte. Kann der Kunde etwas dagegen tun?

In ihrer Werbung versprechen die Unternehmen zwar meist 6 bis 8 Prozent Rendite. Doch garantieren sie lediglich 3,25 bis 4 Prozent, je nach Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Und diese Rendite bezieht sich auch nur auf den Sparanteil der Beiträge, also nach Abzug von Risiko-, Verwaltungs- und Abschlusskosten. Der Rest wird nur in Aussicht gestellt, kann also jederzeit gekürzt werden, wenn die Ertragslage schlechter wird. So stehts im Vertrag, da hilft auch keine Beschwerde beim Bundesaufsichtsamt.

Bliebe also die Kündigung ...

... aber kurzfristige Schwankungen am Kapitalmarkt sollten dafür nicht ausschlaggebend sein. Ohnehin ist der Ausstieg teuer, denn Stornogebühren und Abschlusskosten schlagen stark zu Buche. Da ist Durchhalten oft die bessere Lösung ­ es sei denn, es geht um junge Verträge, bei denen man versuchen kann, unter Berufung auf die Urteile des Bundesgerichtshofs vom Mai 2001 seine Beiträge zurückzuerhalten oder wo man den Totalverlust der Beiträge in Kauf nimmt und stattdessen in eine rentierlichere Geldanlage wechselt. Sonst gilt: Wer eine Lebensversicherung braucht und bei einer guten Gesellschaft ist, bleibt besser dabei.

Und wartet auf bessere Zeiten?

Zwar sieht es derzeit nicht danach aus, aber die Überschussbeteiligung kann auch wieder steigen, wenn die Schwächeperiode am Kapitalmarkt überwunden ist. Die jetzige Kürzung zeigt, wie problematisch Kapitallebensversicherungen als Geldanlageform sind.

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