Interview Meldung

Jugendliche brauchen für manche Verträge nicht nur die Zustimmung der Eltern, sondern auch des Vormundschaftsgerichts, so Juristin Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Eine Lebensversicherung mit 49 Jahren Laufzeit für einen 16-Jährigen: Können Sie bei solchen Fällen in Ihrer Beratung noch etwas retten?

Ja, hier waren nicht die Eltern Vertragspartner, sondern der Junge selbst. Mit unserer Hilfe konnte der Vertrag rückabgewickelt werden, denn für solche Verträge ist die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts notwendig.

Trotz Einverständnis der Eltern?

Richtig, denn manchmal könnten ja auch die Interessen der Eltern denen des Kindes widersprechen, etwa bei Bürgschaften in der Verwandtschaft. Deshalb soll eine neutrale Stelle einen Blick auf den Vertrag werfen. Wenn Minderjährige zu regelmäßigen Zahlungen verpflichtet werden und der Vertrag länger als ein Jahr nach Eintritt der Volljährigkeit fortdauern soll, muss das gerichtlich genehmigt werden. In erster Linie betrifft das Lebensversicherungen, Bausparverträge und Kredite.

Und wenn Jugendliche am Geldautomaten ihr Konto überziehen?

Banken müssen dafür sorgen, dass das nicht passiert. Kommt es dennoch vor, muss das Geld zurückgegeben werden. Falls es aber in keiner Form mehr vorhanden ist, schaut die Bank in die Röhre. Denn auch Eltern müssen nicht für Schulden ihres Kindes einstehen. Ähnlich war es im Fall der Versicherung: Sie musste alle Prämien erstatten. Das sehen die Gerichte übrigens auch dann so, wenn ein Jugendlicher volljährig wird, ohne Kommentar weiterzahlt und erst nach ein oder zwei Jahren merkt, dass die gerichtliche Genehmigung fehlt und er alles rückabwickeln will.

Und bei sehr niedrigen Beträgen, wäre der Vertrag dann wegen des Taschengeldparagrafen wirksam?

Nein, denn der bewirkt bloß, dass Minderjährige kleine Beträge rechtswirksam ausgeben können. Eine 15-Jährige kann eine CD kaufen, aber wenn sie ihr Taschengeld spart und sich für mehrere Hundert Euro eine Musikanlage kauft, ist das ohne Genehmigung der Eltern unwirksam. Das gilt auch für Ratenkäufe.

Der Verkäufer sollte also kontrollieren, ob der Kunde volljährig ist?

Richtig. Händler genießen da keinen Vertrauensschutz. Sie können sich nicht darauf berufen, dass die 15-Jährige wie eine 20-Jährige aussah.

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