Interview Meldung

Angela Elke Staudacher, Vorsitzende Richterin am Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, über Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern bei Krankheit im Urlaub.

Was müssen Arbeitnehmer beachten, wenn es sie im Urlaub trifft?

Wer im Urlaub erkrankt, muss nicht unbedingt in der Firma Bescheid sagen. Nur: Wer sich doch meldet, kann sich die Urlaubstage gutschreiben lassen. Das geht, wenn er seinen Arbeitgeber „unverzüglich“ informiert, also – wie Juristen sagen – „ohne schuldhaftes Zögern“: Am besten, man ruft sofort an. Allerdings darf der Arbeitnehmer seinen Urlaub nicht eigenmächtig um die Krankheitstage verlängern. Welche Krankheit ihn erwischt hat, muss der Mitarbeiter aber nicht mitteilen.

Ist ein ärztliches Attest nötig?

Ja, unbedingt. Wer die Urlaubsgutschrift möchte, muss jeden Krankheitstag belegen. Das heißt in der Praxis: zuerst der Firma Bescheid sagen, per Telefon, Fax oder Email. Dann zum Arzt gehen, dann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abschicken. Da niemand weiß, wie schnell die Post ist, empfiehlt es sich, eine Kopie zu ziehen, um sie später der Firma vorzulegen.

Muss der Mitarbeiter erreichbar sein, wenn er im Urlaub erkrankt?

Nein, aber die Firma hat ein Recht darauf zu erfahren, wo er sich aufhält und wie sie ihn erreichen kann. Im Klartext: bei der Krankmeldung Adresse und Telefonnummer des Hotels angeben.

Was, wenn jemand nur wenige Tage vor Urlaubsbeginn erkrankt?

Auch dann gilt: sofort krankmelden und ein ärztliches Attest einholen. Wenn der Arzt bescheinigt, dass der geplante Familienurlaub auf Mallorca der Genesung nicht abträglich ist, steht der Reise nichts im Weg. So lange die Krankschreibung gilt, gehen die Tage nicht vom Jahresurlaub ab. Wer möchte, kann den Arbeitgeber über die Reise informieren, muss dies aber nicht.

Der Genesung nicht abträglich – was heißt das konkret?

Der kranke Arbeitnehmer darf alles tun, was die Gesundung nicht beeinträchtigt. Niemand muss die ganze Zeit im Bett bleiben, wenn der Arzt das nicht verordnet hat. Ein wenig am Strand zu liegen, kann ja bei einem Armbruch durchaus gesundheitsfördernd sein.

Und wie ist es, wenn jemand nicht im Urlaub krank wird, sondern während der regulären Arbeitswoche?

Auch da muss er sofort Bescheid sagen. Im Regelfall reicht für drei Tage Krankheit ein Anruf, ab dem vierten Tag ist ein Attest nötig. Da zählt das Wochenende mit: Wer am Freitag krank wird, muss es am Montag vorle­gen. Aber Vorsicht: Manche Tarif- oder Arbeitsverträge regeln, dass das Attest schon am ersten Tag beizubringen ist.

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