Interview Meldung

Patrick von Braunmühl, stellver­tretender Vorstand im Verbraucherzentrale Bundesverband.

Wer kein An­walt ist und einen Rechtstipp gibt, verstößt gegen das Verbot der Rechtsberatung. Das während der Naziherrschaft eingeführte Monopol der Anwälte soll nun kippen.

Können Verbraucher sich künftig den Gang in die Anwaltskanzlei sparen?

In vielen Fällen schon. Bisher durften nur Anwälte Rechtsrat geben – abgesehen von Ausnahmen wie Gewerkschaften, Mieter­vereinen, Verbrau­cherzentralen. Wenn der Ge­setzentwurf umgesetzt wird, wohl Mitte 2007, soll das jeder dürfen. Dann darf der Ar­chitekt dem Bauherrn Tipps zum Handwerkervertrag geben oder der Kfz-Meister beim Versicherungsschaden helfen. Aber nur unentgeltlich oder als Nebenleistung.

Das klingt praktisch, es spart Zeit und Geld.

Nicht unbedingt, vor allem wenn die Qualität des Rechtsrats miserabel ist. Der juristisch unerfahrene Ver­brau­cher merkt das ja erst, wenn es zu spät ist. Und dann könnte er auf seinem finanziellen Schaden sitzenbleiben. Deshalb halten wir den Gesetzentwurf für zu undifferenziert. Die Qualität der Rechtsberatung muss sichergestellt werden. Das kann man nicht einfach dem Markt überlassen. Hinzu kommen even­tuelle Interessenkonflikte, wenn zum Beispiel der Versicherungsvertreter bei der Schadenregulierung juristisch aushilft.

Also dann doch lieber zum Rechtsanwalt?

Das kommt darauf an. Nicht alles, was juristisch ist, ist auch kompliziert. Für einfache Fragen muss man nicht gleich Volljurist sein.

Aber wer ein wirklich kompliziertes Problem hat, sollte in die Kanzlei gehen. Umfassende Beratung bleibt auch künftig ohnehin den Anwälten vorbehalten, ebenso die Vertretung vor Gericht.

Die Verbraucherzentralen machen das nicht?

Die geben schon bisher Rechtsrat, auch umfassend. Oft sogar kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr. Die Berater sind Juristen oder geschulte Mitarbeiter, die sich laufend fortbil­den. Oft können sie schon im Vorfeld Konflikte mit Firmen oder Organi­sationen klären. In Ausnahmefällen können wir auch Musterklagen führen. Aber für einen Zivilprozess muss sich der Verbraucher grundsätzlich selbst einen Anwalt nehmen.

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