Interview Meldung

Rechtsanwalt Dr. Alexander Wiencke ist Vorsitzender des Fachanwaltsausschusses Arbeitsrecht der Rechtsanwaltskammer Berlin.

Wenn der Chef einen Urlaubsantrag ablehnt, muss er das plausibel begründen.

Haben Arbeitnehmer Anspruch auf mehrere Wochen Urlaub am Stück?

Ja, grundsätzlich ist Urlaub zusammenhängend zu gewähren, wenn nicht dringende Gründe – betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegen­de – entgegenstehen. Das Bundesurlaubsgesetz gibt dem Arbeitnehmer aber das Recht auf einen Urlaubsteil, der mindestens zwölf aufeinander folgende Werktage umfasst.

Welche Gründe können entgegenstehen?

Zum Beispiel Saisonzeiten, in denen niemand entbehrt werden kann. Oder ein plötzlicher Auftragsboom oder hoher Krankenstand. Oder wenn der Arbeitnehmer schulpflichtige Kinder hat, also auf die Ferien angewiesen ist und den Ur­laub nicht am Stück nutzen kann. Der Chef muss auch die Wünsche anderer Mitarbeiter berücksichtigen.

Hat ein Fußballfan Vorrechte, wenn er für ein Weltmeisterschaftsspiel ein Ticket hat?

Das ist kein spezieller Grund für Urlaub. Wenn betriebliche Gründe eine Freistellung unmöglich machen und der Chef das im Streitfall darlegen kann, muss der Fan verzichten.

Wenn der Urlaub genehmigt ist und der Kollege seine Reise bucht, kann der Chef die Zusage dann wieder zurücknehmen?

Das ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich, etwa wenn der Betrieb nur zwei Spezialisten hat und der andere wegen Krankheit oder Unfall ausfällt. Dann muss der andere ran. Auf jeden Fall muss die Firma dann die Kosten ersetzen, die dem Mitarbeiter zum Beispiel durch Stornogebühren entstehen.

Und wenn man schon im Urlaub ist?

Da gilt dasselbe, die Latte liegt dann sogar noch etwas höher. Die Firma darf einen Arbeitnehmer nicht einmal dann zurückrufen, wenn das laut Arbeitsvertrag erlaubt ist. Ein Rückruf ist nur in Extremfällen möglich, etwa wenn das Wohl und Wehe des ganzen Betriebs davon abhängt.

Ist es denn erlaubt, sich im Urlaub etwas dazuzuverdienen?

Nein, Urlaub soll der Erholung dienen. Der Arbeitnehmer darf nicht einen Job annehmen, weil das diesem Zweck widersprechen würde.

Und was, wenn man im Urlaub krank wird?

Dann sollte der Arbeitnehmer umgehend eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einholen und schnellstmöglich der Firma Bescheid geben. Dann werden die Krankheitstage nicht auf seinen Urlaub angerechnet. Allerdings darf der Arbeitnehmer die eingesparten Urlaubstage nicht eigenmächtig an die Krankheitstage anhängen und so seinen Urlaub verlängern.

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