Interview Meldung

Manfred Westphal ist Fachbereichsleiter beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Obwohl die Zahl überschuldeter Haushalte dramatisch zunimmt, machen Banken aggressiv Werbung für mehr Konsumentenkredite.

Mittlerweile sind 3,1 Millionen Haushalte verschuldet ...

... und die Schuldenkarrieren beginnen immer früher. Bei jedem fünften Not leidenden Bankkredit sind die Kunden 20 bis 25 Jahre alt.

Was ist die Hauptursache?

Bei jungen Leuten besonders oft Handyschulden. Ansonsten Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit. Mitunter auch Sorglosigkeit, als seien Schulden ganz normal. Es gibt aber auch ein inadäquates Marketing mancher Banken.

Zum Beispiel Urlaub auf Pump?

Das ist gefährlich. Wer Ferien auf Kredit finanziert, zahlt eventuell jahrelang ab und müsste für den nächsten Urlaub wieder Kredit aufnehmen. Da ist die Überschuldung vorgezeichnet.

Wann macht Kreditaufnahme denn Sinn?

Grundsätzlich nur bei großen, langfristigen Investitionen, wenn Eigenkapital da ist, etwa der Kauf einer Immobilie oder eines Autos, das für die Arbeit gebraucht wird. Nicht aber bei Kleinanschaffungen oder Reisen, bei denen der Genuss viel kürzer ist als die spätere Tilgung.

Die Banken raten mit ihrer Werbung aber gerade zu Konsumentenkrediten.

Weil sie dort ein Milliardenschweres Potenzial sehen. Ärgerlich sind vor allem Lockvogel­ange­bote. Da wird mit Zinssätzen „ab 5,6 Prozent“ geworben. Aber fragt der Kunde nach, heißt es: „Nach Prüfung Ihrer Kreditwürdigkeit können wir Ihnen 13 Prozent anbieten.“ Wir halten diese Werbung für irreführend.

Können Sie dagegen etwas unternehmen?

Leider ist dem juristisch kaum beizukommen. Wir brauchen schärfere gesetzliche Regelungen, die es in anderen Staaten bereits gibt.

Wie kann der Verbraucher sich schützen?

Indem er erst spart und dann kauft. Auf keinen Fall sollte es zur Gewohnheit werden, dass das Konto im Minus steht. Viele merken gar nicht, wie teuer der Dispo ist. Derzeit kosten Überziehungen rund 2 Prozentpunkte mehr als Ratenkredite. Wer es nicht schafft, im Guthaben zu bleiben, sollte einmal im Jahr wenigstens auf Null kommen. Noch besser sind ein reines Guthabenkonto, das zum Maßhalten erzieht, und natürlich ein vorsichtiger Umgang mit Karten.

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