Interview Meldung

Dieter Lang ist Jurist beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und war Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, die das Justiz­mini­sterium beim Gesetzentwurf beraten hat.

Auch eine Patientenverfügung ist kein sicherer Schutz davor, bei Alzheimer oder Wachkoma jahrelang künstlich am Leben erhalten zu werden.

Viele Menschen wollen sicherstellen, dass sie nicht der Gerätemedizin ausgeliefert sind. Geht das mit einer Patientenverfügung?

Nicht wirklich, denn die Verfügung ist nur rechtswirksam, wenn die Krankheit unausweichlich zum Tod führt. Das ist aber bei Alzheimer und Wachkoma nicht so. Da greift die Verfügung also nicht. Das kann anders sein, wenn eine Infektion hinzukommt, die der Arzt vielleicht nicht unbedingt behandeln muss, wenn eine Verfügung vorliegt. Aber da beginnt schon ein rechtlicher Graubereich.

Hat der Patient denn kein Recht aufs Sterben?

Doch. Wer bei Bewusstsein ist, kann lebenserhal­tende Maßnahmen ablehnen. Aber sobald er im Wachko­ma liegt, bleibt das Risiko, dass niemand weiß, was ein Patient dann fühlt. Man kann nicht sicher sein, ob er auch dann noch an seiner früheren Verfügung festhalten will.

Dennoch sieht der kürzlich vorgelegte Gesetzentwurf vor, dass die Verfügung bindend ist ...

... und er ist dafür parteiübergreifend so massiv kritisiert worden, dass nun ein neuer Entwurf folgt. Und der wird keine Verbindlichkeit der Patientenverfügung bei Alzheimer und Wachkoma vorsehen.

Es reicht also nicht, einfach festzulegen: „Ich möchte abgeschaltet werden“?

Auf keinen Fall. Wer lebenserhaltende Maßnah­men ablehnt, sollte eine ausführliche Patientenver­fü­gung schreiben. Voranstellen sollte er seine eigenen Wertvorstellungen über Leben und Tod, damit die Ärzte sich besser ein Bild von ihm machen können. Außerdem sollte er konkret festlegen, für welche Situationen er Maßnahmen ablehnt. Und er sollte einen Bevollmächtigten nennen, der die Verfügung umsetzt, etwa den Ehepart­ner. Je ausführlicher und konkreter, desto größer die Aussicht, dass Ärzte sich daran halten. Die fürchten nämlich, schon bei passiver Sterbehilfe – also „Abschalten“ – mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

Dann wird es ziemlich aufwendig, eine Patientenverfügung aufzusetzen.

Stimmt, aber es geht ja auch um eine Frage von Leben oder Tod. Das sollte man mit seinem Arzt besprechen – wer will auch mit dem Pastor.

Tipp: Formulierungshilfen stehen in dem Ratgeber „Patientenverfügung“ der Verbraucherzentralen. Er kann telefonisch bestellt werden: 0 180 5/00 14 33.

Dieser Artikel ist hilfreich. 57 Nutzer finden das hilfreich.