Interview Meldung

Stephanie Pallasch

Stephanie Pallasch ist Projektleiterin Bankdienstleistungen bei der Stiftung Warentest.

Ältere Kunden werden von einigen Banken abgewimmelt, wenn sie einen Kredit aufnehmen wollen.

Bisher sind das offenbar Einzelfälle, uns liegen keine Zahlen vor. Natürlich müssen Banken prüfen, ob ein Kredit auch zurückgezahlt werden kann. Würden zu viele Kredite ausfallen, müssten die übrigen Kunden einer Bank das über einen höheren Zinssatz bezahlen. Andererseits gilt aber auch: Obwohl das Ausfallrisiko bei einem älteren Kreditnehmer vielleicht höher ist, dürfen Menschen wegen ihres Alters nicht diskriminiert werden.

Oft verlangen Banken, dass Senioren als Voraussetzung für einen Kredit eine Restschuldversicherung abschließen ...

...und die ist bei älteren Kunden sehr teuer. Eine Restschuldversicherung ist eine Risikolebensversicherung und die wird umso teurer, je älter der Kunde beim Abschluss ist. Neben der Tatsache, dass die Banken damit ihr Ausfallrisiko absichern, ist der Abschluss von Versicherungen auch eine zusätzliche Einnahmequelle für sie. Wie teuer diese Versicherung dann tatsächlich ist, merkt der Kunde oft nicht, weil die Kosten, die dafür anfallen, nicht in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden.

Wie können Senioren sich denn wehren?

Ich würde ihnen den gleichen Rat geben wie jüngeren Leuten: Erst sparen, dann kaufen. Denn ein Kredit ist immer die teuerste Art, Anschaffungen zu tätigen. Nur im Notfall, wo es unumgänglich ist, sollte man darauf zurückgreifen. Dann sollte der Kunde das persönliche Beratungsgespräch mit der Bank suchen und darauf drängen, dass sie die Kreditwürdigkeit individuell prüft. Einfacher wird es natürlich, wenn er der Bank Sicherheiten anbieten kann. Und wenn ein Kunde bei Abschluss des Kredits 67 Jahre alt ist, heißt das ja nicht, dass er schon kurz darauf das Zeitliche segnet. Das sollte die Bank gerade bei kurzen Kreditlaufzeiten bedenken.

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