Interview Kein Hausarrest bei Krankheit

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Dr. Ernesto Loh ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin und Vorsitzender des Fachanwaltsausschusses für Arbeitsrecht der Berliner Anwaltskammer.

Wenn im Herbst die Grippewelle rollt, fragen sich Arbeitnehmer: Was ist bei Krankmeldung zu beachten?

Der Arbeitnehmer muss sich unverzüglich krankmelden, also gleich zu Dienstbeginn im Betrieb oder in der Dienststelle Bescheid geben. Danach kann er zum Arzt gehen und dann die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit mitteilen. Ein ärztliches Attest muss er im Regelfall nur vorlegen, wenn er länger als drei Tage krank ist. Dann muss es spätestens einen Tag nach dem dritten Krankheitstag beim Arbeitgeber sein, wobei auch Samstage, Sonn- und Feiertage mitzählen. Doch Vorsicht: Einige Tarifverträge regeln, dass schon ab dem ersten Tag ein Attest beizubringen ist.

Müssen Krankgemeldete den ganzen Tag zu Hause bleiben?

Nein, Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht Hausarrest. Auch Bettruhe ist nicht zwingend. Sie dürfen alles tun, was die Heilung nicht behindert. Einkäufe oder Spaziergänge sind möglich, wenn der Arzt das nicht verbietet. Etwas Bewegung und frische Luft sind bei vielen Krankheiten ja sinnvoll.

Und wenn der Chef Verdacht schöpft, die Krankheit sei nur vorgetäuscht?

Wenn die Firma konkrete Anhaltspunkte hat, kann sie den Mitarbeiter auffordern, sich vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse untersuchen zu lassen. Wird dabei festgestellt, dass er gesund ist, bedeutet das ja noch lange nicht, dass dies auch an den Tagen davor so war und er gemogelt hat. Er muss dann eben wieder zur Arbeit erscheinen.

Also keine Abmahnung oder Kündigung?

Dafür müsste der Arbeitgeber nachweisen, dass der Arbeitnehmer die Heilung bewusst behindert hat, oder dass die Krankheit vorgetäuscht war. Und das ist angesichts eines ärztlichen Attests schwierig. Möglich wäre das, wenn der Arbeitnehmer während der Krankschreibung für ein anderes Unternehmen oder am Bau seines Eigenheims arbeitet. Im konkreten Verdachtsfall kann der Chef sogar einen Detektiv beauftragen. Findet der etwas, muss der Arbeitnehmer auch dessen Honorar zahlen.

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