Interview Meldung

Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der Versicherungen (GDV) erklärt, wann Versicherungsschutz nach Tod oder Krankheit durch radioaktive Strahlen besteht.

Können sich Verbraucher privat gegen atomare Risiken versichern?

Rüter de Escobar: Bei Sachversicherungen wie der Gebäudeversicherung sind in der Regel Schäden durch Feuer und Sturm oder – im Elementarschadenschutz – andere Naturgefahren versichert. Wird ein Gebäude durch atomare Strahlung unbewohnbar oder deshalb evakuiert, liegt kein Schaden im Sinne der Gebäudeversicherung vor. Die Versicherung zahlt also nicht.

Sind Gesundheitsschäden infolge radioaktiver Belastung in einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung mitversichert?

Rüter de Escobar: Meistens nicht. Die GDV-Musterbedingungen sehen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung einen Leistungsausschluss vor, wenn eine energiereiche Strahlung mit einer Härte von mindestens 100 Elektronen-Volt gegeben ist. Dazu zählt auch die Kernenergie. In den Tarifen mancher Anbieter umfasst der Versicherungsschutz jedoch auch Strahlenschäden.

Was gilt für die Unfallversicherung?

Rüter de Escobar: Gesundheitsschäden, die auf Strahlenbelastung oder Atomenergie zurückzuführen sind, sind nach den GDV-Musterbedingungen aus der Leistung der privaten Unfallversicherung ausgeschlossen.

Was gilt, wenn eine Strahlenbelastung zum Tod führt?

Rüter de Escobar: Wenn es um die Folgen einer atomaren Strahlenbelastung durch defekte Atomkraftwerke geht, die durch eine Naturkatastrophe ausgelöst wurde, leisten die Risikolebens-, die private Renten- und die Kapitallebensversicherung. Dies sehen die GDV-Musterbedingungen vor.

Daneben gibt es aber die sogenannten ABC-Klauseln. Danach gibt es keinen Schutz, wenn Versicherte durch atomare, biologische oder chemische Stoffe zu Tode kommen, die vorsätzlich freigesetzt wurden. Das wäre zum Beispiel nach einem Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk und bei einer kriegerischen Aktion der Fall.

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