Interview Meldung

Arno Gottschalk ist Baufinanzierungsexperte bei der Verbraucher­zen­trale Bremen.

Wegen der langen Zinsfestschreibungen hat die US-Hypothekenkrise kaum Auswirkungen auf den hiesigen Markt für Baugeld.

Warum ist der Hypothekenmarkt in den USA so anders als in Deutschland?

Hierzulande dominieren langjährige Zinsfestschreibungen. Schnelle Zinsanstiege im kurzfristigen Bereich bereiten daher weniger Probleme. In den USA gibt es dagegen sehr viele variabel verzinsliche Darlehen oder kurze Zinsfestschreibungen, zudem werden Kredite traditionell verbrieft, also auf dem Kapitalmarkt weiterverkauft. In Deutschland ist das die Ausnahme,
hier behalten Banken den Kredit in der eigenen Bilanz.

Wird es für Kunden mit schlechter Bonität nun schwerer, einen Kredit zu bekommen?

Es gab auch hier Tendenzen zu riskanteren Finanzierungen, zum Beispiel „Über -100 Prozent-Finanzierungen“. Bei den Banken, die diese höheren Ri­siken durch Forderungsverkauf oder Verbriefung abgewälzt haben, dürfte es für Neukunden mit schlechterer Bonität tatsächlich zumindest kurzfristig schwieriger werden. Aber das ist aus unserer Sicht eher begrüßenswert. Denn eine eigene Immobilie sollte nur kaufen, wer sich das auch leisten kann.

Und Kunden mit guter Bonität, werden die künftig weniger zahlen?

Das erwarte ich nicht. Die Konkurrenz um gute Schuldner ist schon jetzt sehr ausgeprägt. Da ist kaum noch Spielraum für bessere Konditionen.

Wird es für Vollfinanzierungen Aufschläge geben?

Die gibt es jetzt schon, sie beginnen stufenweise ab 60 Prozent Beleihungswert. Bei hohen Beleihungsausläufen – von 100 Prozent und mehr – werden die Aufschläge aber wohl höher ausfallen, zumindest bei den Banken, die mit Verbriefungen arbeiten.

Die EU plant eine Harmonisierung der Hypothekenmärkte. Kehren hier dann „amerikanische Verhältnisse“ ein?

Dieses Schreckensszenario malen die Banken an die Wand, vor allem, weil sie die Vorfälligkeitsentschädigung als Einnahmequelle retten wollen. Die Frage ist jedoch, ob Kredite ohne langfristi­ge Zinsfestschreibungen überhaupt eine Chance auf dem deutschen Markt haben. Hier ist das Sicherheitsdenken stark ausgeprägt. Und es ist noch völlig unklar, ob die EU-Kommis­sion ihre Pläne zur Öffnung der Hypo­theken­märkte tatsächlich umsetzt.

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