Interview Meldung

Hans-Eberhard Urbaniak

Die Beitragssätze der Krankenkassen sind zu hoch, kritisiert Hans-Eberhard Urbaniak, Bundeswahlbeauftragter für die Sozialwahlen am 1. Juni. Er fordert die Versicherten auf, ihre Stimme in der Briefwahl zu nutzen, damit die Selbstverwaltung der Versicherungsträger gestärkt wird.

Finanztest: Warum sollen die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen an der Sozialwahl teilnehmen?

Urbaniak: Weil sie damit großen Einfluss auf wichtige Entscheidungen ihrer Krankenkasse nehmen. Der Verwaltungsrat, den die Versicherten wählen, wählt und kontrolliert den Vorstand der Krankenkasse. Der Verwaltungsrat kann Vorstandsmitglieder aus dem Amt entfernen und er entscheidet über die Höhe des Beitragssatzes. Außerdem bestimmt er die Gehälter des geschäftsführenden Vorstands.

Finanztest: Wie ist es dann möglich, dass sich die Vorstandschefs einiger Kassen jüngst extreme Gehaltssteigerungen genehmigt haben? 

Urbaniak: Die Selbstverwaltung hat hier nicht gut funktioniert. Umso wichtiger ist es, dass die Versicherten Vertreter in die Verwaltungsräte ­ihrer Krankenkasse wählen, die ihre Kontrollaufgabe ernst nehmen.

Finanztest: Der von den Versicherten gewählte Verwaltungsrat entscheidet über den Beitragssatz. Warum sinkt er dann nicht, denn dies ist doch im Interesse der Versicherten?

Urbaniak: Die Verwaltungsräte der meisten ­Kassen sagen, mit den in jüngster Zeit gestie­genen Einnahmen müssten zuerst die Schulden der Kassen abgebaut werden. Ich halte eine Beitragssenkung in der gesetzlichen Krankenversicherung für längst überfällig. Wenn ich im Verwaltungsrat säße, würde ich dafür sorgen, dass dieses Thema auf die Tagesordnung kommt.

Finanztest: Wo sehen Sie Erfolge der Selbst­verwaltung? 

Urbaniak: Zum Beispiel in der Prävention. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten so viele Leistungen zur gesundheitlichen Vorsorge an wie noch nie zuvor. Dies ist vor allem das Verdienst der Verwaltungsräte.

Dieser Artikel ist hilfreich. 196 Nutzer finden das hilfreich.