Interview Meldung

Dr. Joachim Staude, Vizepräsident des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater.

„Social Networks“ sind der Trend im Internet. Gerade hat Microsoft sich bei facebook eingekauft. Dort stellen vor allem Jugendliche Fotos und persönliche Details ein. So halten sie Kontakt zu einem riesigen Freundeskreis. Doch das kann ein Karrierekiller sein.

Recherchieren Personalchefs den Lebenslauf ihrer Bewerber im Internet nach?

Sicher, vor allem bei Führungskräften. Etwa jeder vierte Perso­nalchef kontrolliert die Lebensläufe, zum Beispiel bei Google oder auf Social-Network-Seiten wie myspace, xing, linkedin, studivz, wo Mitglieder eigene Seiten anlegen, dort persönliche Daten einstellen und wo ihre Freunde Grüße hinterlassen. Da lässt sich durchaus ein Bild von der Persönlichkeit des Bewerbers gewinnen, von seinen Hobbys, seinem sozialen Hintergrund. Einige Firmen bieten solche Recherchen sogar professionell an.

Und das kann jemanden den Job kosten?

Das kommt vor. Viele Jugendliche glauben, es gehe nur um ein paar lustige Fotos und denken gar nicht an die Folgen. Aber ein Personalentscheider, der dort zu viele Bilder von Partys sieht, von Alkohol oder gar Drogen, sortiert die Bewerbung eben aus. Auch das Engagement in einer extremen politischen Gruppierung kann den Knockout bedeuten.

Obwohl der Bewerber seine Meinung womöglich längst geändert hat?

Wie soll ein Personalchef das wissen? Jeder Nutzer muss sich darüber klar sein, dass Informationen und Bilder im Internet leicht kopiert und weiterverbreitet werden können. Was einmal im Netz steht, ist nie wieder zu löschen. Früher waren Jugendsünden irgendwann vergessen, heute bleiben sie ein Leben lang haften, wie eine Tätowierung. Der größte Feind ist die eigene Unbekümmertheit.

Also registriert man sich besser gar nicht erst auf solchen Plattformen?

Das wiederum kann auch befremdlich wirken. Denn heute sind „Online Social Networks“ für Jugendliche normal. Sie können ja auch sehr hilfreich sein, weil sich damit viele wertvolle Kontakte aufbauen und pflegen lassen. Nur ist es besser, jede Information abzuwägen, bevor man sie ins Netz stellt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 110 Nutzer finden das hilfreich.