Interview Inflation Meldung

Die Inflationsrate zieht seit Monaten an: Im Januar lag sie bereits bei 2 Prozent. Ob sich Anleger jetzt Sorgen machen müssen und was sie beachten sollten, wenn sie ihre Investitionen vor einer möglichen Inflation schützen möchten, erklärt Finanztest-Redakteurin Karin Baur im Interview.

Das Thema Inflation ist derzeit viel diskutiert. Müssen sich Anleger bereits Sorgen machen?

Karin Baur: Nein, das müssen sie nicht. Bei 2 Prozent sprechen Experten auch noch nicht von Inflation, sondern immer noch von Preisstabilität. Verantwortlich für den Anstieg der Inflation sind derzeit vor allem hohe Energie- und Lebensmittelpreise. Die Preissteigerungen umfassen nicht alle Lebensbereiche. So sind zum Beispiel Preise für langlebige Gebrauchsgüter wie Unterhaltungselektronik in den vergangenen Monaten eher gesunken.

Welche Anlagemöglichkeiten sind im Hinblick auf eine mögliche Inflation besonders interessant?

Karin Baur: Niemand möchte, dass seine Anlagen im Laufe der Zeit weniger Wert haben. Doch Anleger können im Voraus kaum einschätzen, wie sich einzelne Anlagen entwickeln und ob eine Inflation kommt oder nicht. Daher ist es vor allem wichtig, dass sie auf eine gute Mischung und eine breite Streuung ihrer Investitionen achten.

Wie kann eine inflationsgeschützte Anlage aussehen?

Karin Baur: Zum einen sind Sachwerte gut geeignet. Dazu zählen Immobilien, aber auch Aktien und Aktienfonds. Dabei sollte jeder aber seine eigenen Vermögensverhältnisse und seine Risikobereitschaft berücksichtigen. So nützt zum Beispiel die Investition in eine Immobilie wenig, wenn sich jemand dadurch stark verschuldet. Und Aktienanlagen sind kaum eine gute Wahl für Anleger, die starke Kursschwankungen, die es immer wieder an den Märkten gibt, nicht aushalten können.

Und was ist mit Zinsanlagen?

Karin Baur: Auch festverzinste Wertpapiere gehören zum richtigen Anlagemix. Anleger sollten derzeit aber eher auf kurzfristige Laufzeiten setzen. Längere Laufzeiten von mehr als drei Jahren sind nur empfehlenswert bei Papieren, die einen Inflationsschutz bieten, wie das zum Beispiel bei inflationsgeschützten Bundesanleihen der Fall ist.

Wie steht es mit bereits bestehenden Investments: Welche sollten Anleger derzeit überprüfen und gegebenenfalls umschichten?

Karin Baur: Anleger sollten sich vor allem die Zinspapiere ansehen, insbesondere ihre Sparbücher und Tagesgeldkonten. Dort liegen die Zinsen derzeit meist um die 1 Prozent. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent machen Anleger bereits Verluste. Aktien und Fondspapiere sollten unabhängig von einer möglichen Inflation regelmäßig auf ihre Qualität überprüft werden. Auch ein kurzer Depotcheck hinsichtlich der Risikozusammenstellung ist wichtig. So sind Aktien in den vergangenen Monaten beispielsweise gut gelaufen. Dadurch kann der Anteil im Depot zu hoch werden und damit auch das Risiko steigen. Dann empfiehlt sich ein Umschichten in sichere Anlagen wie Rentenfonds oder festverzinsliche Wertpapiere.

Wie sicher sind denn Tagesgeldkonten, Sparbriefe und Fonds bei steigender Inflation?

Karin Baur: Finanztest hat im vergangenen Jahr untersucht, wie verschiedene Geldanlagen bei Inflation reagieren (siehe Thema Inflation in Finanztest 07/2010). Aktien und Aktienfonds steigen und fallen relativ unabhängig von einer möglichen Inflation. Bei Zinsanlagen hat sich gezeigt, dass einjährige Bundesanleihen und Festgelder den besten Schutz bieten. Denn hier passen sich die Zinsen regelmäßig an die Inflationsraten an. Daher nochmals der Tipp für Anleger, bei Zinsanlagen auf die Laufzeit zu achten.

Gibt es Indikatoren, die Anlegern zeigen, wann sie im Hinblick auf eine mögliche Inflation reagieren sollten, also umschichten oder andere Anlagen wählen?

Karin Baur: Es ist besser, bei seinen Anlagen von Anfang an breit zu streuen. Steigt die Inflationsrate erst an, kann es dafür schon zu spät sein. Vorsicht ist geboten vor unseriösen Anbietern, die vor extremer Inflation warnen und dadurch zusätzlich Ängste von Anlegern schüren. Von solchen Geldanlagen rät Finanztest dringend ab.

Viele Anleger wollen ihr Vermögen vor einer drohenden Inflation schützen, in dem sie Gold oder Fremdwährungen kaufen. Ist das der richtige Weg?

Karin Baur: Gold ist riskant. Der Preis ist in den vergangenen Monaten aufgrund der hohen Nachfrage stark gestiegen. Wer jetzt Gold kauft, riskiert, dass er später eher Verluste macht. Zu dem Goldpreisrisiko kommt zudem ein Währungsrisiko, denn der Goldreis notiert in US-Dollar. Aus diesen Gründen sollte Gold nicht mehr als zehn Prozent der risikoreichen Anlagen insgesamt ausmachen. Auch Fremdwährungen sind spekulativ und gehören zu den riskanten Anlagen. Ob Anleger Gewinne oder Verluste machen, hängt von den Wechselkursen ab, zu denen sie zunächst in die Fremdwährung wie Dollar oder Schweizer Franken und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück in Euro tauschen.

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