Interview Meldung

Auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer bereiten sich viele Hersteller auf besondere Weise vor: Sie reduzieren die Füllmengen, kritisiert Dr. Birgit Rehlender von unserer Zeitschrift „test“.

Finanztest: Wie wird bei Verpackungen ­gemogelt?

Rehlender: Wir beobachten in den letzten Jahren, etwas verstärkt in den letzten ­Monaten, dass Füllmengen in Packungen reduziert werden – Aufmachung, Gesamtgröße und Preis aber bleiben gleich. Aufgefallen ist das etwa beim Hansaplast ABC-Wärmepflaster von Beiersdorf. In der ­Packung sind jetzt nur noch 4 statt 5 Pflaster. Der Verbraucher wird getäuscht, denn er erwartet die ihm bekannte Menge.

Finanztest: Ist das erlaubt?

Rehlender: Eine rechtliche Definition für Mogelpackungen gibt es nicht. Doch nach Paragraf 7 Abs. 2 Eichgesetz müssen Fertigpackungen so gestaltet und befüllt sein, dass sie keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist. Gegen das Lebensmittelrecht wird verstoßen, wenn der Verbraucher durch die Aufmachung eines Produkts getäuscht wird – also auch über die Menge des enthaltenen Inhalts.

Finanztest: Bei welchen Produkten wird besonders gerne getrickst?

Rehlender: Lebensmittel, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel, aber auch frei verkäufliche Arzneimittel fallen immer wieder negativ auf.

Finanztest: Haben seit dem Beschluss über die Mehrwertsteuererhöhung Mogelpackungen zugenommen?

Rehlender: Das ist gut möglich, doch ­statistisch belegen können wir das nicht. Auffällig ist aber, dass bei ganz normalen Produkten plötzlich der Preis steigt, etwa bei den Abschminkpads von Artdeco oder beim Cappuccino von McDonald's.

Finanztest: Was können Verbraucher tun?

Rehlender: Wachsam sein, die alte ­Packung aufheben und mit der neuen ­vergleichen. Möglichst beide Packungen an „test“ schicken, damit wir die Mogelpackungen öffentlich kritisieren können.

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