Interview Meldung

Hans-Uwe Stern, Bundesanstalt für Arbeit

Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) gibt seit Januar Bildungsgutscheine an Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte aus. Den Kurs müssen sie sich selbst suchen. Finanztest sprach mit Hans-Uwe Stern, BA-Bereichsleiter für die Förderung der beruflichen Weiterbildung.

Finanztest: Ohne Bildungsgutschein gibt es keine Bildung mehr auf Kosten des Arbeitsamtes. Wer bekommt so einen Gutschein?

Hans-Uwe Stern: Den Bildungsgutschein erhalten Arbeitslose oder bereits gekündigte Arbeitnehmer. Sie müssen gemeinsam mit dem Berater im Arbeitsamt eine berufliche Qualifizierung für eine notwendige und zielführende Eingliederungsstrategie halten. Ausnahmsweise kann der Arbeitslose mit der Einstellungszusage eines Arbeitgebers auch noch einen Bildungsgutschein erhalten, wenn es keine positive Prognose aus Sicht des Arbeitsmarkts gibt.

Finanztest: Für welche Weiterbildungskurse gilt der Gutschein?

Hans-Uwe Stern: Er gilt immer dann, wenn berufliche Qualifizierung auch mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Arbeitsplatz führt. Eine Prognose muss belegen, dass mindestens 70 Prozent der Teilnehmer in einem Zeitraum von 6 Monaten nach der Maßnahme nicht mehr arbeitslos sind.

Finanztest: Dann ist es sicher schwierig, in strukturschwachen Regionen einen Schein zu bekommen.

Hans-Uwe Stern: Auch in strukturschwachen Regionen ist es nur sinnvoll, Weiterbildungsangebote zu finanzieren, für die es auch eine Nachfrage am Arbeitsmarkt gibt.

Finanztest: Wie viele Bildungsgutscheine werden Ihrer Einschätzung nach im ­laufenden Jahr ausgegeben?

Hans-Uwe Stern: Die Zahl der Gutscheine ist abhängig von Angebot und Nachfrage geeigneter Bildungsangebote und der Entwicklung des Arbeitsmarkts. Eine Prognose kann deshalb nur eine vorläufige Schätzung darstellen. Ich gehe aus heutiger Sicht von mindestens 250 000 Bildungsgutscheinen im Jahr 2005 aus.

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