Interview Meldung

Viele Sparer halten die Zeiten für so ungewiss, dass Gold ihnen als sicherer Hafen erscheint. Doch das ist nicht wirklich so, erklärt Roland Aulitzky, Experte für Geldanlagen bei Finanztest.

Mittlerweile gibt es Gold schon am Bahnhof aus Automaten als Grammportionen. Ist das für Kleinanleger überhaupt sinnvoll?

Wohl kaum, denn gerade bei kleinen Mengen unter 10 Gramm gibt es enorme Preisaufschläge. Bei einem 1-Gramm-Barren beträgt der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis meist 20 Prozent oder mehr. Der aktuelle Goldhype wird vor allem von der Angst geschürt, das globale Finanzsystem könne bald im Chaos untergehen. Wenn das passiert, ist es vielleicht besser, Gold zu haben – aber vielleicht auch nicht. Niemand kann heute wissen, was nach einer solchen Katastrophe wirklich zählen würde.

Und was ist mit Anlegern, die sich vor Inflation schützen wollen?

Derzeit sind die Inflationsraten ja eher niedrig. Bei hoher Inflation wie Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre schnellte der Goldpreis zwar nach oben, auf längere Sicht aber brachte Gold mehr Risiko ins Depot. Von über 800 Dollar sank der Preis in den folgenden 20 Jahren auf rund ein Drittel. Auch jetzt hat Gold wieder enorme Höhen erreicht. Die Gefahr eines Rückschlags ist groß.

Aber anders als etwa Aktien wird Gold nie seinen Wert total verlieren.

Richtig. Dennoch hat der Sparer keinen verlässlichen Ertrag wie etwa bei Zinspapieren, sondern kann nur auf Kursgewinne hoffen. Das hat weniger mit Sicherheit zu tun, mehr mit Spekulation. Gold ist eine Wette auf die Zukunft, so wie der Kauf einer Einzelaktie. Und da wählen Kleinanleger ja auch eher Fonds, um das Risiko zu streuen. Darüber hinaus notiert Gold in Dollar, deshalb kommt ein Wechselkursrisiko hinzu.

Also Finger weg davon?

Das wäre zu pauschal. In einem größeren Depot kann ein 10-prozentiger Goldanteil durchaus sinnvoll sein. Unvernünftig wäre es aber, Sparkonten oder andere sichere Geldanlagen aufzulösen und in Gold umzuschichten.

Wäre der Kauf von Münzen oder Schmuck eine Alternative?

Bei Münzen sollten Kleinanleger nur weltweit anerkannte und akzeptierte Produkte wählen wie etwa den Krügerrand. Goldschmuck bringt wenig, da machen Design und Verarbeitung sowie die Händlermarge oft einen Großteil des Kaufpreises aus.

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