Interview Meldung

Bafin-Sprecher Peter Abrahams

Lebensversicherer wie Gerling, Alte Leipziger, Victoria und Hamburg-Mannheimer teilen Kunden mit vertraglich höherem Garantiezins zurzeit weniger Gesamtverzinsung zu als denen mit niedrigerer Garantie. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) rügt das Verhalten.

Finanztest: Warum sollen Lebensversicherer das nicht so machen?

Abrahams: Beiträge und Leistungen sind in der Lebensversicherung nach gleichen Grundsätzen zu berechnen. Belastet ein Versicherer einzelne Kundengruppen unterschiedlich mit Kosten, muss er auch die Erträge aus den Kapitalanlagen unterschiedlich zurechnen. Die betroffenen Unternehmen haben aber nur bei den Kosten unterschieden. Das verstößt gegen die vorgeschriebene Gleichbehandlung aller Kunden. Für eine unterschiedliche Gesamtverzinsung gibt es zudem keine vertragliche Grundlage.

Finanztest: Was macht die Bafin, wenn die Unternehmen nicht einlenken?

Abrahams: Die Forderung, die Gleichbehandlung wieder herzustellen und für einen Ausgleich zu sorgen, kann die Bafin notfalls mit einem Verwaltungsakt durchsetzen. Wir befinden uns zurzeit in einem Anhörungsverfahren. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Finanztest: Was empfehlen Sie Kunden, die schon schlechter gestellt wurden?

Abrahams: Nur wenige Lebensversicherer haben ihre Kunden unterschiedlich behandelt. Wer sich nicht sicher ist, wie bei ihm verfahren wurde, sollte sein Unterneh­men fragen. Hat ein Kunde im Vergleich weniger Gesamtverzinsung bekommen, sollte er erst das weitere Prozedere in der Presse verfolgen. Die Bafin wird dafür eintreten, dass eine ungerechtfertigte ­Ungleichbehandlung endet.

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