Interview Meldung

Wenn Fliesen schon wenige Wochen nach dem Verlegen Mängel bekommen, muss der Händler den Ausbau zahlen, so Juristin Carolin Semmler, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Da hat eine Kundin eine Spülmaschine gekauft und vom Handwerker an­­schließen lassen – und nach einigen Wochen läuft das Ding nicht mehr.

Genau das war der Fall, der dem Europäischen Gerichtshof vorlag. Der Händler war zwar bereit, eine Ersatzmaschine zu liefern, aber den Ausbau der alten und das Anschließen der neuen wollte er nicht übernehmen.

Dabei muss doch die Gewährleistung für den Kunden kostenlos sein.

Richtig. Klar ist, dass der Verkäufer bei Ersatzlieferung auf eigene Kosten die kaputte Ware gegen einwandfreie austauschen muss. Aber bisher war strittig, ob er auch Aus- und Einbau übernehmen muss. Nun hat das Gericht klargestellt: Er muss auch dafür zahlen.

Kommen solche Fälle oft vor?

So etwas passiert ja ganz leicht und immer wieder, zum Beispiel wenn man im Baumarkt einkauft: Teppichboden, Tapeten, Parkett oder – wie im zweiten Fall, der dem Europäischen Gerichtshof vorlag – Fliesen. Oder bei großen Elektrogeräten wie Waschmaschine oder Herd, die eingebaut werden.

Können Kunden sich ab sofort auf das Urteil der Europarichter berufen?

Ja, Kunden können schon jetzt verlangen, dass der Verkäufer den Ein- und Ausbau zahlt oder dies selber macht.

Auch bei sehr hohen Einbaukosten?

Falls die Kosten in keinem Verhältnis zum Wert der Ware stehen, hat das Gericht geurteilt, sie angemessen zu begrenzen. Um wie viel, da kommt es auf den Einzelfall an. In dem zweiten Fall vor dem Europäischen Gerichtshof kosteten die Fliesen 1 382 Euro, der Ein- und Ausbau 2 122 Euro. Ob das unverhältnismäßig ist, muss nun das nationale Gericht beurteilen.

Könnte der Kunde alternativ auch eine Preisminderung verlangen?

Das wäre ein Tipp bei einer Herabsetzung des Erstattungsanspruchs. Vielleicht kann der Kunde sich mit dem Mangel arrangieren, wenn der Händler mit dem Preis deutlich heruntergeht. Auch der Verkäufer käme ja billiger aus der Sache heraus, selbst wenn er im Extremfall sogar den kompletten Kaufpreis erstattet, aber sich dafür den Ein- und Ausbau erspart.

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