Interview Meldung

Viele Studenten, die direkt nach dem Abitur zur Uni gehen, können tausende Euro absetzen, wenn eine ehemalige Studentin recht bekommt, sagt Wolfgang Wawro, Steuerberater aus Berlin.

Worum genau geht es in dem Fall beim Bundesfinanzhof?

Eine frühere Medizinstudentin, die direkt nach dem Abitur studiert hat, will nun für ihr Studium von 2004 bis 2006 im Schnitt fast 10 000 Euro im Jahr als Werbungs­kosten geltend machen.

Wie ist das bisher geregelt?

Bei Studenten, die während des Studiums arbeiten und ihr Einkommen versteuern müssen, werden derzeit 4 000 Euro im Jahr als Sonderausgaben akzeptiert. Alle Studienausgaben darüber werden nicht berücksichtigt. Wer während des Studiums kein Einkommen hat, kann nichts absetzen.

Wieso sind Werbungskosten besser?

Weil sie im Gegensatz zu Sonderausgaben voll zählen. Wird in den Studienjahren nichts verdient, schreibt das Finanzamt dafür Verluste gut. Die werden in spätere Jahre übernommen, in denen es genug Einkommen gibt, zum Beispiel im ersten Berufsjahr. Diesen Verlustvortrag gibt es bei Sonderausgaben nicht. Wichtig ist aber, dass die Belege aufgehoben werden. Zum Beispiel für Studiengebühren, für Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Druckkosten und den Semesterbeitrag. Auch Fahrtkosten zwischen Wohnort und Uni oder die Miete für einen zweiten Hausstand sowie die Kosten für ein Auslandssemester zählen mit.

Wer profitiert davon?

Gewinnt die Klägerin, heißt das für Studenten, die direkt nach dem Abitur studieren, dass sie vier Jahre rückwirkend ihre Kosten als Werbungskosten absetzen können. Wer bisher keine Steuererklärung abgegeben hat, kann also 2011 noch bis einschließlich 2007 abgeben. Bisher dürfen das nur diejenigen, die neben dem Beruf oder für eine zweite Ausbildung studieren.

Wie gehen Studenten jetzt vor?

Diejenigen, die in den vergangenen vier Jahren studiert haben, sollten ihre Ausgaben als Werbungskosten auf der Anlage N zur Steuererklärung für jedes Studienjahr neu abrechnen. Wird das vom Finanzamt abgelehnt, legt man Einspruch ein und verweist auf das Verfahren vor dem Bundesfinanzhof mit dem Aktenzeichen VI R 7/10. Dann bleibt der Fall offen.

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