Interview Meldung

Anlegeranwalt Julius Reiter aus Düsseldorf

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Walter Fink, den Initiator der Dreiländerfonds, großer ­geschlossener Immobilienfonds, angeklagt. Er soll Anleger des Fonds 94/17 betrogen ­haben. Anwalt Julius Reiter sagt, wie es weitergeht.

Finanztest: Was hätten Anleger von ­einer Verurteilung von Walter Fink?

Reiter: Sie könnten unmittelbar nach ­einem Urteil Schadenersatzansprüche ­gegen Fink geltend machen. Betroffen sind zwar direkt nur Anleger des DLF 94/17. Da die strafrechtlichen Vorwürfe aber wohl auf viele DLF-Fonds übertragbar sind, könnten dann die meisten ­Anleger Geld von Fink verlangen.

Finanztest: Wird Fink verurteilt?

Reiter: Ich sehe nicht, wie er die Vorwürfe widerlegen könnte. Die Ermittlungsakten der Polizei bieten sogar Stoff für weitere staatsanwaltschaftliche ­Aktivitäten.

Finanztest: Viele der DLF-Fonds liefern nicht die versprochenen Ausschüttungen. Wird sich das noch bessern oder müssen alle Anleger auf Schadenersatz bauen?

Reiter: Für alle DLF-Anleger besteht Grund zur Sorge. Ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg ­erklärte im vergangenen Jahr, dass manche DLF-Fonds Ausschüttungen nicht aus ihren Einnahmen, sondern aus ihrem Substanzvermögen gezahlt hätten. Ist die Substanz aufgezehrt, dürfte es gar keine Ausschüttungen mehr geben. Der „Mercedes unter den Anlagen“, wie Dreiländerfondsanteile von Vermittlern angepriesen wurden, sind sie sicher nicht.

Finanztest: Kann man die Vermittler für diese Versprechen haftbar machen?

Reiter: Ja, mehrere Finanzdienstleister sind verurteilt worden, weil sie DLF-Beteiligungen vertrieben haben, ohne auf die Risiken hinzuweisen. Anleger, die sich auf Kredit beteiligten und den Kredit ­widerrufen können, haben möglicherweise auch Ansprüche gegen die Bank.

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