Interview Meldung

Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der ­Lohnsteuerhilfevereine kritisiert, dass das ­Finanzamt immer mehr persönliche ­Daten ­erhält, ohne dass Steuerzahler diese kennen.

Was erfährt das Finanzamt alles?

Rauhöft: Arbeitgeber, Renten- und Krankenversicherer sowie Arbeitsagenturen melden Löhne und andere Einnahmen des Steuerzahlers genauso wie Beiträge, die er zahlt. Banken geben steuerfrei gestellte Erträge an. Alle diese Daten werden beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) unter der Identifikationsnummer gebündelt. Das Finanzamt kann sie jederzeit abrufen.

Was ist das Problem?

Rauhöft: Oft übernehmen Finanzbeamte ungeprüft elektronische Daten für die Steuerabrechnung ohne im Bescheid darauf hinzuweisen, obwohl Steuerzahler andere Beträge angegeben haben. Sie übertragen dabei auch Fehler. Deshalb fordern wir, dass Steuerzahler vorab ganz konkret erfahren müssen, wann und was über sie gemeldet wird. Das ist ihr Recht.

Können sich Steuerzahler gegen diese Fehler im Bescheid wehren?

Rauhöft: Nur wenn sie die Fehler bemerken und rechtzeitig Einspruch einlegen. Paradox: Viele Fehler zum Nachteil der Steuerzahler ändert das Finanzamt nach der Einspruchsfrist nicht mehr. Also wenn es zum Beispiel zu wenig Versicherungsbeiträge abgezogen hat. Kann das Finanzamt jedoch Steuern nachfordern, darf es den Fehler sogar noch vier Jahre rückwirkend korrigieren. Diese Ungleichbehandlung muss abgeschafft werden.

Was passiert, wenn Steuerzahler selbst Fehler machen?

Rauhöft: Geben sie eine Steuererklärung auf Papier ab, korrigiert das Finanzamt auf Wunsch beispielsweise Schreibfehler nachträglich, denn die Bearbeiter hätten sie anhand der eingereichten Belege erkennen können. Ganz anders ist es aber bei der elektronischen Steuererklärung. Steuerzahler nehmen zwar dem Finanzamt die Dateneingabe ab, sie können jedoch Eintragungsfehler zu ihren Ungunsten meist nicht mehr ausbügeln. Keine Frage, wer hier im Vorteil ist. Es wird Zeit, die Rechte der Steuerzahler an die moderne Technik anzupassen.

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