Interview Meldung

Aus Angst vor Inflation flüchten derzeit viele Sparer in Immobilien. Rechtsanwalt Eberhard Ahr aus Bremen erlebt zahlreiche Fälle, wo Anlegern Schrottobjekte angedreht werden.

Wie kommen die Finanzvertriebe an immer neue Opfer?

Früher waren es oft Werbeanrufe, heute sind es Internetseiten, die „mehr Netto“ versprechen. Wer sich da einträgt, bekommt unweigerlich Besuch von einem Vermittler. Den Kunden wird vorgerechnet, sie könnten sich vor Inflation schützen und Steuern sparen. Dass es um den Kauf einer Immobilie geht, wird vielen erst viel später bewusst.

Und die Immobilien sind wertlos?

Teils ja. Viele sind nur die Hälfte oder weniger wert. In Bremerhaven liegen viele in einem Stadtteil, der verfällt: vergammelte Häuser, manche abge­brannt, viele so marode, dass die Mieter nicht mehr zahlen. Die Gauner haben ganze Straßenzüge billig gekauft und „renoviert“ verhökert. In Wahrheit wurde aber nichts gemacht. Oft legen sie beim Verkauf Rechnungen von Firmen vor, die nie einen Handschlag getan haben.

Sehen die Käufer sich die Häuser denn vorher gar nicht an?

Nein, die Immobilien liegen oft in anderen Bundesländern. Sie werden als „1a Objekt“ angeboten, den Kredit geben bekannte „seriöse“ Banken. Häufig soll ein Mietpool vor Ausfällen schützen. Und es wird Zeitdruck gemacht: „Fast alle Objekte sind schon verkauft“, heißt es. Manche Leute werden noch spätabends zum Notar gekarrt.

Und der Mietpool funktioniert nicht?

Das kann er oft gar nicht. Denn beim Verkauf wird mit Mieten gerechnet, die doppelt so hoch liegen wie die echten. Viele Opfer können dann die Kreditraten nicht zahlen, zumal die Objekte teils zu 120 Prozent beliehen werden – inklusive der Kosten für die „Renovierung“.

Kann man denn solchen Abzockern nicht das Handwerk legen?

Das geht erst, wenn die Käufer gemerkt haben, dass die Häuser Schrott sind, also erst viel später. Und bis der Beweis geführt ist, sind die Hintermänner untergetaucht oder haben Privatinsolvenz angemeldet und das Geld verschoben.

Und die Banken?

Wenn der Nachweis gelingt, dass sie „institutionalisiert“ mit den Vermittlern zusammengearbeitet haben, haben die Opfer durchaus Chancen.

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