Interview Meldung

Arno Gottschalk

Der Börsenhandel mit Investmentfonds wird für Anleger immer interessanter. Seit Mai ist auch die größte deutsche Börse in Frankfurt am Main mit von der Partie. Oft ist der Fondskauf über die Börse für Anleger die günstigste Lösung. Bankberater müssen ihre Kunden darauf hinweisen, fordert Arno Gottschalk, Geldanlageexperte der Verbraucherzentrale Bremen.

Finanztest: Wann ist der Börsenkauf von Fonds für Anleger sinnvoll?

Gottschalk: Der Börsenkauf empfiehlt sich vor allem bei größeren Summen und für Kunden günstiger Direktbanken. Anleger sollten aber den „Spread“ beachten, den Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis. Bei viel gehandelten Fonds beträgt er nur 0,5 bis 1 Prozent. Bei wenig gehandelten Fonds kann der Spread bis auf 2,5 Prozent steigen. Dann ist der Kauf mit reduziertem Ausgabeaufschlag meist billiger.

Finanztest: Viele Anleger wissen nicht, dass sie Fonds auch über die Börse kaufen können. Sind Bankberater verpflichtet, sie auf diese Alternative hinzuweisen?

Gottschalk: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) fordert, dass Banken ihre Kunden vor Ausführung der Wertpapierdienstleistung über die Kosten informieren. Im Rahmen einer Anlageberatung müsste die Bank also auch den Kauf über die Börse vorstellen. Andernfalls läuft sie Gefahr, sich schadenersatzpflichtig zu machen.

Finanztest: Manche Banken lehnen es ab, Fondsanteile über die Börse zu besorgen. Was können Kunden dagegen tun?

Gottschalk: Wenn die Bank diese Dienstleistung nicht anbietet, können Anleger sie nicht dazu zwingen. Sie haben dann zwei Möglichkeiten: Wenn ein Anleger aus irgendeinem Grund sein Depot nur bei dieser Bank führen möchte, richtet er ein weiteres Konto bei einer Direktbank ein, lässt sich von dieser die Fondsanteile über die Börse besorgen und anschließend ins Depot seiner Hausbank übertragen. Die andere und sinnvollere Möglichkeit: Er wechselt einfach zu einer anderen Bank, die den Fondskauf über die Börse anbietet – und zwar mit möglichst niedrigen Ordergebühren und einem Depot, das entweder kostenlos oder zumindest sehr günstig ist.

Dieser Artikel ist hilfreich. 81 Nutzer finden das hilfreich.