Interview Meldung

Bauexperte Rainer Huhle

9 000 Firmen der Baubranche haben im Jahr 2001 dichtgemacht. Wie Bauherren mögliche Pleiteunternehmen rechtzeitig erkennen und sich vor Schäden schützen können, weiß Rainer Huhle vom Bauherren-Schutzbund. Infos: 0 30/3 12 80 01 oder www.bsb-ev.de

Finanztest: Müssen Bauherren Firmenpleiten immer einkalkulieren?

Huhle: Ja. Schätzungsweise 20 000 Baufamilien waren 2001 damit konfrontiert und haben im Schnitt 20 000 bis 30 000 Euro verloren. Mängel bleiben unbeseitigt, Abschläge ohne Gegenleistung, häufig bleibt nur die Bauruine.

Finanztest: Wie kann man Pleitekandidaten vor Vertragsschluss erkennen?

Huhle: Bei Auskunfteien wie Creditreform kann jedermann Informationen über die Firma erfragen. Unsere Mitglieder bekommen das dort günstiger. Ansonsten gilt es, den Vertrag hart zu verhandeln. Vermieden werden müssen Vorauszahlungspflichten. Für Bauzeitüberschreitung sollte es Vertragsstrafen geben und der Zahlungsplan sollte vorsehen, dass es immer nur nach mängelfreien Bauleistungen Geld gibt.

Finanztest: Ist es sinnvoll, Sicherheiten vom Bauunternehmen zu verlangen?

Huhle: Fertigstellungsbürgschaften oder Sicherheitseinbehalte für den Bauherrn stehen leider oft nur in den Werbe­broschüren. Solche Angebote wie auch Fertigstellungsgarantie-Versicherungen müssen überprüft werden – und zwar vom Anwalt. Dann sollte vertraglich ­vereinbart werden, dass Kunden die ­Sicherungsurkunden noch vor der ersten Abschlagszahlung erhalten.

Finanztest: Wie erkennt man während des Baus eine drohende Firmenpleite?

Huhle: Bau- und Mängelbeseitigungsverzögerungen sowie Arbeitseinstellung von Subunternehmern sind Alarmzeichen. Auch wenn plötzlich Vorauskasse verlangt wird oder Subunternehmer Geld fordern. Ohne Beratung sollte dann niemand unterschreiben oder zahlen.

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