Interview Meldung

Joachim Fox ist freier Rentenberater in Bonn.

Häufig behaupten Rentenexperten pauschal, jeder dritte Rentenbescheid sei falsch.

Aber eine gesicherte Statistik fehlt völlig. Diese Zahl kann ich so nicht bestätigen, sie scheint mir viel zu hoch. Sicher ist, dass Fehler passieren, doch nicht immer zulasten des Rentners, sondern auch zu seinen Gunsten.

Welche Fehler sind denn typisch?

Im Rentenrecht gibt es sehr viele Spezialgebiete, Fremdrentenzeiten beispielsweise. Typisch ist auch bei Wohnsitzwechsel eine Bewertung als Entgeltpunkte-West anstelle von Entgeltpunkten-Ost oder umgekehrt. War jemand früher in der knappschaftlichen Rentenversicherung, müssen Besonderheiten beachtet werden. Die Berücksichtigung und Bewertung von Anrechnungszeiten während der Kindererziehungszeit oder Kinderberücksichtigungszeit kann sehr vertrackt sein, erst recht, wenn Arbeitslosigkeit oder mehrere Berufspausen hinzukommen. Manchmal gibt es auch Zahlendreher bei Entgelt- oder Dateneingaben.

Aber es sind doch riesige Behörden, die die Berechnungen machen.

Klar, dennoch ist es halt ein Massengeschäft. Da bekommt die Arbeitsgruppe morgens einen Stoß Akten auf den Tisch, die bis Feierabend weg sein müssen, denn am nächsten Morgen kommt ein neuer Stoß. Die Arbeitsbelastung ist hoch.

Und ein selbstständiger freier Rentenberater kennt sich besser aus?

Ich kann mir mehr Zeit nehmen. Oft beruhen die Fehler ja auch auf falschen Angaben des Versicherten. Wenn ich mit dem Kunden rede, kann sich ein beruflicher Werdegang ganz anders darstellen. Da können dann eventuell Ausbildungszeiten belegt werden, sodass es mehr Rente gibt.

Kann der Rentner dann eine Neuberechnung und Nachzahlung verlangen?

Auf jeden Fall. Aber geprüft wird nur, wenn er einen Verdacht begründen kann. Ansprüche auf Nachzahlung verjähren allerdings nach vier Jahren. Und ganz wichtig: Eine Nachzahlung sollten Rentner nur verlangen, wenn sie sicher sind, dass das nicht zu ihren Ungunsten ausgeht. Neulich saß eine Klientin bei mir, deren Rente um 150 Euro zu hoch lag, die hätte ein schlechtes Geschäft gemacht!

Wie kommen die Betroffenen denn eventuellen Fehlern auf die Spur?

Sie können den Versicherungsverlauf im Rentenbescheid mit ihren Unterlagen vergleichen. Alles Weitere kann nur der Fachmann sehen.

Und was kostet es, wenn ein freier Rentenberater einen Bescheid prüft?

Das richtet sich nach dem Arbeitsaufwand. Grundlage ist die Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Im Regelfall reichen rund 100 Euro für eine Überprüfung. Kommen Berechnungen hinzu, können es auch 150 Euro werden, in komplizierten Fällen mehr.

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