Interview Meldung

Kosten für die Erstausbildung sind Werbungskosten, entschied der Bundesfinanzhof. Finanztest-Expertin Aenne Riesenberg erläutert, wie vor allem Studenten Steuern sparen können.

Wer profitiert von dem Urteil?

Günstiger stehen nun vor allem Studenten da. Bislang wurden Studienkosten nur als Werbungskosten anerkannt, wenn man zuvor einen Beruf erlernt hatte und das Studium darauf aufbaute. Wer direkt nach dem Abitur studierte, konnte lediglich 4 000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben angeben. Fiel im selben Jahr jedoch kein steuerpflichtiges Einkommen an, wirkten sich Sonderausgaben nicht aus. Abiturienten können nun direkt studieren oder eine Ausbildung aufnehmen und die Kosten hierfür später im Beruf steuerlich verrechnen.

Wie kann ich den Steuervorteil für mich sichern?

Notwendig ist auf jeden Fall die Abgabe einer Steuererklärung. In Zeile 2 des Mantelbogens müssen Sie das Feld „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ ankreuzen. Die Kosten für die Ausbildung vermerken Sie in der Anlage N als Werbungskosten. Das Finanzamt erkennt dann einen entsprechenden Verlust an. Bei späteren Steuererklärungen werden die vorab entstandenen Werbungskosten mit steuerpflichtigem Einkommen verrechnet und senken die Steuerlast.

Welche Kosten erkennt das Finanzamt an?

Anerkannt werden alle Kosten, die wegen des Studiums oder der Ausbildung entstehen. Hierzu zählen zum Beispiel Arbeitsmittel, Arbeitszimmer, Studiengebühren, Prüfungsgebühren, Bibliotheksausweise, Zinsen für Bildungskredite, Fahrtkosten oder eine doppelte Haushaltsführung. Für das Finanzamt muss aber ersichtlich sein, dass mit dem Studium ein konkreter Beruf angestrebt wird. Ein Studium aus Hobby zählt nicht dazu.

Kann ich Kosten auch noch rückwirkend für die vergangenen Jahre geltend machen?

Dies ist bislang bis zu vier Jahre rückwirkend möglich. Bis Ende 2011 muss das Finanzamt daher noch Steuererklärungen für die Jahre bis einschließlich 2007 annehmen. Wer aber für die Jahre schon gültige Steuerbescheide hat, hat Pech: Das Finanzamt muss diese Bescheide nicht mehr ändern.

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