Das neue Energiewirtschaftsgesetz soll für sinkende ­Strom- und Gaspreise sorgen. Holger ­Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, erklärt, welche Chancen es den Kunden bietet.

Finanztest: Wie werden sich die Preise für Strom und Gas jetzt entwickeln?

Krawinkel: Die Strompreise werden sinken. Auch wenn sich Energie auf den Weltmärkten weiter verteuert, dürften die Erzeugerpreise kaum ­steigen, denn Deutschland ist durch seinen Energiemix von den Weltmärkten zu zwei ­Dritteln unabhängig. Außerdem werden die Durchleitungsgebühren, die etwa ein Drittel des Gesamtstrompreises ausmachen, demnächst bis zu 30 Prozent sinken. Beim Gas werden endlich auch die Privatkunden den Anbieter wechseln können. Das ist eine wichtige Voraussetzung für sinkende Preise.

Finanztest: Was muss noch geschehen, damit die Preise sinken?

Krawinkel: Die Verbraucher sollten ihre Marktmacht nutzen, indem sie intensiv Angebote und Preise vergleichen und dann sowohl beim Strom als auch beim Gas zum besten Anbieter wechseln. Außerdem kommt es vor allem beim Gas auch darauf an, dass neue Anbieter in den Markt gehen und dadurch der Wettbewerb überhaupt einsetzt.

Finanztest: Was kritisieren Sie am neuen Gesetz?

Krawinkel: Zum Beispiel, dass die Produzenten auf ihrer Rechnung nicht detailliert darlegen müssen, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Das hätte für mehr Transparenz gesorgt. Auch die Möglichkeit, dass Verbraucherverbände Sammelklagen gegen überhöhte Energiepreise führen können, wurde gestrichen.

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