Interview Meldung

Jörg Sahr, Baufinanzierungsexperte von Finanztest, über die geplante staatliche Förderung „Wohn-Riester“.

Riester-Rente für Immobilienkäufer – wie soll denn das funktionieren?

Das geplante Gesetz sieht zwei Varianten vor: Der Eigenheimbesitzer kann das Guthaben, das er bereits in einem Riester-Vertrag angespart hat, entnehmen und für den Bau oder Kauf eines Hauses verwenden. Anders als bei der bisher sehr komplizierten Regelung gibt es dafür künftig keine Mindest- oder Höchstgrenzen mehr, und das Kapital muss auch nicht wieder zurückgezahlt werden.

Und die zweite Variante?

Dabei bekommen Wohneigentümer Zulagen und Steuervorteile auch für die Tilgung ihres Hypothekendarlehens. Dieses Darlehen ist dann ihr Riester-Vertrag. Wie bei herkömmlichen Riester-Verträgen gibt es die volle Zulage auf Tilgungszahlungen in Höhe von 4 Prozent des Bruttoeinkommens mit Zulagen gefördert, maximal 2 100 Euro. Es muss sich aber um ein Darlehen mit Riester-Zertifizierung handeln. Das geht aber nur bei Immobilien, die ab 2008 gekauft oder fertiggestellt wurden.

Kann man auch beides kombinieren?

Das ist möglich und auch empfehlenswert. Sowohl die Entnahme als auch die Tilgung bringen dem Eigentümer eine Zinsersparnis, die in der Regel höher ausfällt als die Rendite aus anderen Riester-Anlagen. Sie entspricht dem Effektivzins des Kredits.

Der Wohn-Riester lohnt sich also. Ist er dann womöglich das Ende für das traditionelle Bausparen?

Nein, der Gesetzentwurf sieht vor, Bausparverträge in das Modell einzubeziehen. Konkrete Angebote, auch für Riester-Darlehen, gibt es aber noch nicht. Die ersten Angebote kommen wahrscheinlich frühestens im Spätsommer oder erst im Herbst auf den Markt.

Dann müssen sich die Sparer noch den Kopf zerbrechen über die nachgelagerte Besteuerung ...

... die greift aber bei allen Riester-Verträgen. Nur fließt beim Wohn-Riester ja keine Geldrente. Deshalb werden alle Sparbeiträge auf einem Wohnförderkonto verbucht. Dort wird ein Zins von 2 Prozent veranschlagt, also relativ wenig. Den Betrag, der dann über die Jahre rechnerisch zusammenkommt, muss der Sparer versteuern, wenn er in Rente geht – in Raten oder auf einmal.

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