Interview Meldung

Dr. Thomas Ruprecht, Vorstand des VDÄÄ

In jede ärztliche Behandlung muss der Patient vorher einwilligen. Doch zuvor muss ihn der Arzt über die Eingriffe aufklären. Entscheidend ist das vor allem bei schweren Eingriffen wie Operationen. Immer wieder werden Patienten aber zu spät oder nicht genügend informiert. Dr. Thomas Ruprecht aus dem Vorstand des Vereins ­Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ) erklärt, wie Ärzte aufklären müssen, welche Rechte Patienten haben und wie sie diese wahren können.

Finanztest: Wie muss der Arzt einen Patienten vor einer Operation aufklären?

Ruprecht: Das hängt von der Schwere und Dringlichkeit des Eingriffs ab. Im ­Allgemeinen reicht eine Information „im Großen und Ganzen“. Es müssen nicht alle denkbaren Nebenwirkungen und Komplikationen, medizinische Details oder allgemein bekannte Risiken erörtert werden. Der Patient muss aber Zeit haben, sich die Sache zu überlegen. Bei kleineren Eingriffen wie etwa einer ambulanten Behandlung reicht in der Regel eine Aufklärung am Tag – nicht am Abend – vor dem Eingriff, also 24 Stunden vorher. In Notfällen kann von den üblichen Fristen abgewichen werden, um Schaden vom Patienten abzuwenden.

Finanztest: Welche Folgen hat eine ­fehlerhafte Aufklärung?

Ruprecht: Eine unzureichende Aufklärung macht den Eingriff rechtswidrig. Im Zweifel muss der Arzt beweisen, dass er aufgeklärt hat. Ist der Patient obendrein ­geschädigt worden und kann er plausibel darlegen, dass er bei ordentlicher Aufklärung die Behandlung abgelehnt hätte, dann haftet der Arzt.

Finanztest: Erschweren Krankenhäuser den Nachweis von Fehlern?

Ruprecht: Mitunter schon. Krankenakten, Röntgenbilder oder Befunde werden unvollständig oder zögerlich herausgegeben, sind unauffindbar oder werden nachträg­lich geändert oder ergänzt.

Finanztest: Wie kann man sich schützen?

Ruprecht: Patienten haben das Recht auf Einsicht in alle Befunde, Arztbriefe und Aufnahmen. Sie können sich Kopien machen lassen und Bilddokumente ausleihen. Beim Verdacht auf Behandlungsfehler sollten sich Betroffene zeitnah und ohne Angabe von Gründen die vollständige Krankenakte nebst Aufnahmen und anderen Dokumenten vor Ort im Original aushändigen lassen. Vor den Folgen einer nachträglichen Veränderung schützt die Aufstellung einer Inhaltsliste und die Abschrift relevanter Passagen am besten in Gegenwart eines fachlich versierten Zeugen. Hilfe gibt es auch bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen, Kranken­kassen und Landesärztekammern.

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