Interview Meldung

Brigitte Sievering-Wichers ist Produkt­managerin Telekommunika­tion bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Unerbetene Werbeanrufe sind eine Landplage. Bei einer Aktion der Verbraucherzentralen beschwerten sich über hunderttausend Verbraucher. Nun sollen die Gesetze verschärft werden.

Offenbar gab es eine riesige Resonanz auf Ihre Aktion?

In den letzten Wochen kamen täglich Beschwerden hier an. Das zeigt, wie dramatisch die Situation vor Ort ist. Es gibt kaum Bürger, die noch nicht von Werbeanrufen zu Hause belästigt wurden.

Gibt es da einige besonders schwarze Schafe?

Das ist vor allem die Telekommunikationsbranche. Wir haben viele Beschwerden über Tele 2, Flexfon, Primacall und die Telekom. Auch Lotterieanbieter wie die Süddeutsche Klassenlotterie und Gewinnspielanbieter fallen auf. Und natürlich der graue Kapitalmarkt. Einige Angerufene berichten sogar, ihnen seien Verträge untergeschoben worden, obwohl sie ausdrücklich abgelehnt hätten. Da haben wir Beschwerden über Tele 2. Die Leute werden in Verträge gelockt, die sie gar nicht wollen. Vor allem Senioren sind damit oft überfordert.

Solche „kalten Werbeanrufe“ sind doch verboten ...

Richtig, dennoch passiert es massenweise. Das gesetzliche Verbot ist ein zahnloser Tiger: ein Gesetz, an das sich keiner hält. Die Strafen stehen offensichtlich in keinem Verhältnis zu den möglichen Gewinnen. Die Firmen verstoßen bewusst gegen das Gesetz. Selbst einige, die wir schon abgemahnt haben, machen munter weiter.

Was folgt jetzt nach der Aktion?

Wir werten die Beschwerden aus und mahnen die Firmen systematisch ab. Unsere Anwälte ersticken derzeit in Arbeit. Verbraucher können uns aber auch weiterhin ihre Beschwerden schicken, wenn sie den Namen des Anrufers, Uhrzeit, Datum und den Zweck des Werbeanrufs notieren.

Erforderlich wären wohl auch strengere gesetzliche Sanktionen.

Unbedingt. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb muss überarbeitet werden. Schließlich werden sonst die Firmen benachteiligt, die sich seriös verhalten. Die jetzigen Sanktionsmöglichkeiten reichen überhaupt nicht aus. Härtere Sanktionen wie Bußgelder und wirksamere Gewinnabschöpfungsmöglichkeiten wären hier sicherlich wirkungsvoll, ebenso dass Kunden bei unzulässiger Telefonwerbung nicht an den Vertrag gebunden sind.

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