Interview Meldung

BaFin-Direktor Dr. Thomas Steffen

Sinkende Überschussbeteiligungen verärgern die Lebensversicherungskunden. Dr. Thomas Steffen, erster Direktor im Bereich Versicherungen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), sagt, dass einige Anbieter sogar zu hohe Überschüsse ausgewiesen haben.

Finanztest: Sind die Kürzungen bei der Überschussbeteiligung angemessen?

Thomas Steffen: Die Lebensversicherungen haben ihren Kunden in den vergangenen Jahren relativ hohe Überschüsse gutgeschrieben, und das trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus auf dem Kapitalmarkt. Dabei haben viele Unternehmen zugunsten der Kunden auf ihre Reserven zurückgegriffen. Das konnte so nicht weitergehen.

Finanztest: Wie hat die BaFin reagiert?

Thomas Steffen: Wir haben uns – zum ersten Mal in der Geschichte der Ver­sicherungsaufsicht – im November 2002 von den Unternehmen vorab die Überschussdeklarationen für 2003 vorlegen lassen. Das Ergebnis war beruhigend: Die weitaus meisten Lebensversicherer haben die Gewinnbeteiligung für 2003 in angemessenem Umfang gesenkt. Nur weniger als eine Hand voll Unternehmen hat auf unsere Nachfrage ihre Gewinnbeteiligung noch weiter nach unten ­korrigiert.

Finanztest: Um die Renditen zu schönen, haben einige Gesellschaften auch die Schlussgewinne in ihre Kalkulation einbezogen. Was tut die BaFin, um diese ­irreführenden Angaben zu verhindern?

Steffen: Wir haben dieses Verhalten einiger Versicherer unterbunden und werden es - falls erforderlich - auch in Zukunft wieder tun. Im Gegensatz zur laufenden Überschussbeteiligung, die dem Kunden jährlich gutgeschrieben wird und anschließend garantiert ist, gelten die ­deklarierten Schlussüberschussanteile nur für ein Geschäftsjahr.

Finanztest: Mit welchen Folgen für die Kunden?

Steffen: Die Schlussüberschussanteile können sich für das nachfolgende Geschäftsjahr je nach Ertragslage wieder vollständig verändern, ohne dass für den Kunden ein Anspruch aus der vorjährigen Deklaration des Unternehmens entsteht. Die Schlussüberschussanteile haben daher in den veröffentlichten Renditeangaben der Versicherer nichts zu suchen.

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