Interview Meldung

Nur wenige Krankenkassen bitten ihre Versicherten zur Sozialwahl bis zum 1. Juni 2011. Das soll sich ändern, fordert Gerald Weiß, der Bundeswahlbeauftragte der Sozialwahl.

Warum sollten die Versicherten überhaupt wählen? Streitfragen gibt es bei dieser Wahl doch gar nicht.

Weiß: Da irren Sie sich. Die Versicherten wählen in der Sozialwahl sowohl ihre Vertreter für die Verwaltungsräte der Krankenkassen als auch für die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund. Diese Gremien bestimmen den Vorstand oder die Geschäftsführung, sie stimmen dem Haushaltsplan zu und sie besetzen die Widerspruchsausschüsse.

Gerade für die Krankenkassen steht viel auf dem Spiel. Die Verwaltungsräte entscheiden, ob die Kasse eher auf Service setzt oder eher bemüht ist, den Zusatzbeitrag gering zu halten. Wofür die Kandidaten der wählbaren Listen stehen, erfahren Versicherte im Internet unter www.sozialwahl.de.

Die meisten Krankenkassen bitten ihre Versicherten aber doch gar nicht zur Wahl.

Weiß: Die drei größten Krankenkassen sind bei der Wahl aber vertreten – das sind die Barmer GEK, die Techniker Krankenkasse und die DAK. Auch die kkh-Allianz, die hkk, die Hypovereinsbank BKK und die BKK Ernst & Young rufen zur Wahl auf. Das betrifft etwa 18 Millionen Menschen.

Und die anderen Krankenkassen?

Weiß: Dort einigen sich die Vertreter der Versicherten, wer im Verwaltungsrat sitzen soll. Diese „Wahl ohne Wahlgang“ ist wie ein Feuerwerk ohne Feuer. Die Urwahl sollte die Regel sein.

Bei der vergangenen Sozialwahl 2005 lag die Beteiligung bei 31 Prozent. Warum interessieren sich so wenige Menschen für diese Wahl?

Weiß: Die Sozialwahl ist keine politische Wahl, bei der an jeder Straßenecke ein Plakat steht. Aber wenn die Menschen erfahren, worum es bei dieser Wahl geht, werden sie sich beteiligen. Ich bin optimistisch, dass die Wahlbeteiligung diesmal höher ausfällt. Die Deutsche Rentenversicherung Bund und die beteiligten Krankenkassen informieren die Versicherten heute besser als vor sechs Jahren.

Dieser Artikel ist hilfreich. 408 Nutzer finden das hilfreich.