Interview Meldung

Jens Kaffenberger

Der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium von Medizinern und Krankenkassen, hält die Qualitätsberichte der Kliniken teilweise zurück. „Diese Daten gehören den Versicherten“, sagt Jens Kaffenberger vom Sozialverband Deutschland. Er arbeitet mit anderen an einem Internetportal, das Informationen über Krankenhäuser für Laien verständlich aufbereitet.

Finanztest: Herr Kaffenberger, es gibt doch schon Krankenhausportale, die Qualitätsberichte veröffentlichen. Warum wollen Sie noch eines anbieten?

Kaffenberger: Wir wollen ein Portal anbieten, das sich stärker als andere an den Informationsbedürfnissen der Patienten orientiert. Zudem soll das Portal allen offen- stehen, unabhängig von der Mitgliedschaft bei einer bestimmten Krankenkasse.

Finanztest: Was soll das von Patientenorganisationen und der Bertelsmannstiftung geplante Portal besser machen?

Kaffenberger: Medizinische Fachbegriffe sollen in eine für Laien verständliche Sprache übersetzt werden. Es gibt einen Diagnosedolmetscher, der hilft, die Fachsprache der Ärzte zu entschlüsseln. Außerdem werden die Qualitätsberichte durch Patientenbefragungen ergänzt. Denn viele für Nutzer wichtige Informationen bekommt man nur, wenn man Patienten zu ihren Erfahrungen im Krankenhaus direkt befragt. Schließlich werden die Nutzer durch einen Navigationsassistenten unterstützt, damit sie Informationen besser finden.

Finanztest: Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmannstiftung, sitzt im Aufsichtsrat einer Privatklinik. Kann die Stiftung überhaupt unabhängig informieren?

Kaffenberger: Die Sorge, dass die Daten verfälscht oder kommerziell verwertet werden, ist unbegründet. Die beteiligten Patientenorganisationen, zu denen auch der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe gehören, und Bertelsmann verfolgen mit dem Portal keine wirtschaftlichen Interessen. Wir haben angeregt, dass das Portal von unabhängigen Gutachtern überprüft wird. Sie können sicher sein, dass die Patientenorganisationen ihren guten Namen nur mit einem Projekt verbinden, das ausschließlich Patienteninteressen dient. Das weiß auch Bertelsmann.

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