Der Metro-Handelskonzern testet seit etwa einem Jahr so genannte RFID-Tags, kleine elektronische Chips unter Preisetiketten. Rena Tangens von Foebud e. V. sieht darin eine Gefahr für die Verbraucher. Der Foebud verleiht jährlich den Datenschutz-Negativ-Preis Big Brother Award.

Finanztest: Was unterscheidet den RFID-Chip vom bisher üblichen Strichkode?

Tangens: RFID-Chips besitzen eine kleine Antenne. Damit können sie von einem Scanner aus mehreren Metern Entfernung unsichtbar und von den Verbrauchern völlig unbemerkt ausgelesen werden. Die Chips transportieren mehr Informationen. Sie enthalten neben der Barkodenummer auch noch eine Seriennummer: Jede Packung Philadelphia-Käse hat dann ihre eigene Nummer.

Finanztest: Warum sind Sie gegen den Einsatz der RFID-Chips?

Tangens: So wie jetzt geplant, darf er nicht eingeführt werden. Die eindeutige Seriennummer ermöglicht nicht nur die Ortung von Produkten, sondern auch von Menschen. Denn die Metro hat den Chip auch auf ihre Kundenkarten gebracht. So kann der Kunde beim Betreten des Ladens erfasst und verfolgt werden. Durch Verknüpfung der Datenbanken ist es möglich, Konsum-, Interessen- und Bewegungsprofile zu erstellen. Das eröffnet ungeahnte Überwachungsszenarien.

Finanztest: Die Metro will die 10 000 ausgegebenen Kundenkarten mit RFID-Chip in chipfreie tauschen. Sind Sie jetzt zufrieden?

Tangens: Es ist ein erster Erfolg. Bevor eine Technik mit so weit reichenden Folgen eingesetzt wird, müssen Regeln und Gesetze geschaffen werden, die die Bürgerrechte schützen. Details zu unseren Forderungen stehen unter www.foebud.org.

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