Interview Meldung

Medienrechtler Dr. Philipp Plog

Rund 1200 Fotos senden „Leserreporter“ täglich an die Bildzeitung. Welche rechtlichen Risiken die Amateurreporter eingehen, erklärt der Hamburger Medienrechtler Dr. Philipp Plog aus der Kanzlei Buse Heberer Fromm.

Finanztest: „Bild“ zahlt Lesern ein Honorar, wenn sie eigene Fotos, zum Beispiel von Unfällen oder von Prominenten in Alltagssituationen, einschicken und die Fotos anschließend auch veröffentlicht werden. Sofern die Bilder nicht etwa durch Hausfriedensbruch zustande kamen, will „Bild“ Leser bei Rechtsärger unterstützen. Gibt es da noch Risiken?

Plog: Ja, denn auch die Leserreporter selbst können dafür belangt werden, wenn sie gar nicht abdrücken durften. Die Weitergabe solcher Fotos an die Redaktion verletzt das Persönlichkeitsrecht des Fotografierten. Dafür muss der Leser unter Umständen den Abgebildeten entschädigen. Dass „Bild“ helfen würde, ist nett, aber ­eine reine Goodwill-Maßnahme. Einen Anspruch darauf haben Leser nicht.

Finanztest: Wen darf man fotografieren?

Plog: Hier liegt das Problem. Gerichte prüfen je nach Einzelfall, Persönlichkeit und Vorgeschichte, wie viel Öffentlichkeit jemand hinnehmen muss. Fotos von privaten Tätigkeiten anderer Menschen sind meist unzulässig, auch dann, wenn sie in der Öffentlichkeit stattfinden. Es sei denn, es liegt ein zeitgeschichtliches Ereignis vor. Die häufig fotografierten Unfälle gehören aber in der Regel nicht dazu.

Finanztest: Wie steht es mit Bildern von Prominenten – etwa beim Einkaufen?

Plog: Das ist umstritten. Während das Berliner Kammergericht so etwas gar nicht will, verbietet es das Hanseatische Oberlandesgericht zumindest an „nicht belebten Plätzen“. Konsequenzen drohen einem Fotografen ganz besonders dann, wenn er Fotos an sehr privaten Orten wie dem Pool oder Schlafzimmer des Promis macht oder aufdringlich wird. Das kann teuer werden.

Finanztest: Wohin geht die Entwicklung, wenn die Presse Leserfotos veröffentlicht?

Plog: Die publizistische Nutzung von Fotohandys birgt Sprengkraft. Redaktionen müssen Bildlieferanten zur Achtung der Privatsphäre anhalten. Derzeit bewegen sich Leserreporter oft auf rechtswidrigem Terrain. Das scheint auch „Bild“ zu begreifen. Die Rubrik mit den Leserfotos heißt jetzt auch nicht mehr reißerisch „Erwischt“, sondern schlicht „Leserreporter“.

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