Interview Meldung

Frank-Christian Pauli, Jurist beim Verbraucherzentrale Bundesverband, über die vielen Datenskandale.

Schon wieder ein Datenskandal: 21 Millionen Kundendaten sind über illegale Kanäle einer Zeitungsredaktion zugespielt worden. Gerät der Datenhandel außer Kontrolle?

Offenbar fehlt ein wirksames Sicherheitsmanagement. Die zunehmende Zahl der Skandale zeigt zum einen, dass etwas falsch läuft, und zum anderen, dass nichts dagegen unternommen wird. Gleichzeitig beobachten wir eine immer größere Datensammelwut, der wir effektive Grenzen setzen müssen, damit sie uns nicht alle schädigt.

Deshalb soll ja ein neues Gesetz her.

Das ist längst überfällig. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Firmen persönliche Daten nur noch weitergeben dürfen, wenn der Kunde ausdrücklich zugestimmt hat. Bisher dürfen Adresshändler Daten weitergeben, wenn er nicht widerspricht. Sehr wichtig: Verbraucher müssen künftig informiert werden, wenn Daten abhandenkommen.

Was ist das Gefährliche am illegalen Datenhandel?

Mit Werbung zugemüllt zu werden, ist das eher harmlose Ärgernis. Die größte Gefahr geht vom Identitätsdiebstahl aus: Wenn Straftäter Informationen über jemanden miss­brauchen, um unter dessen Namen Straf­taten zu begehen. Dann droht falsche Verdächtigung und es ist ein Problem, den eigenen Namen wieder von allen möglichen Sperr- und Betrugslisten zu tilgen. Das zeigen schlechte Erfahrungen in den USA.

Die Betrüger können aber auch Geld vom Konto des Kunden abbuchen?

Ja, solche Abbuchungen sind auch ohne Zustimmung des Kontoinhabers möglich. Der Kunde kann sie aber rückgängig machen – möglichst innerhalb von sechs Wochen, weil dann die Rückabwicklung wie bei anderen Lastschriftrückgaben unproblematisch erfolgt. Liegt nicht nur eine Fehlbuchung vor, sorgt eine zügige Strafanzeige dafür, dass Betrügern im Interesse aller rasch das Handwerk gelegt werden kann.

Wie können Bankkunden sich außerdem schützen?

Hundertprozentigen Schutz vor Betrügern gibt es nicht. Aber Verbraucher sollten mit ihren Daten vorsichtig sein. Also nicht an jedem Gewinnspiel teilnehmen. Wo Daten verlangt werden, sollte man nur die wirklich nötigen Angaben machen. Viele Formulare sehen auch im Kleingedruckten die Einwilligung zur Datenweitergabe vor, oft ist dort schon ein Häkchen voreingestellt. Das sollte man streichen. Und: Regelmäßig die Kontoauszüge kontrollieren.

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