Interview Meldung

Neuerdings sollten Verbraucher, die von Gaunern – etwa Internet-Abofallen – Rechnungen erhalten, unbedingt widersprechen, so Juristin Bettina Dittrich, Verbraucherzentrale Sachsen.

Rechnungen für unbestellte Ware, Drohbriefe von Inkassobüros, falsche Verträge am Telefon: Sollen die Opfer da jedes Mal widersprechen?

Leider ja. Es reicht, einmal nachweislich zu widersprechen, aus Beweisgründen per Einschreiben.

Oft wird in den Briefen ja mit einem Schufa-Eintrag gedroht.

Genau das ist das Problem. Seit 1. April gilt eine Änderung im Datenschutzgesetz. Nun dürfen Firmen nach Ankündigung Daten an Auskunfteien übermitteln, wenn sie vorher zweimal gemahnt haben und der Betroffene nicht widersprochen hat. Bis dahin war erforderlich, dass er schriftlich einwilligte, die sogenannte Schufa-Klausel.

Und wenn die Forderung völlig unberechtigt ist?

Bisher lautete unser Rat bei ganz offensichtlich unberechtigten Forderungen kurz und bündig: Ab damit in den Papierkorb. Jetzt aber sollte man widersprechen. Vor allem Abofallenabzocker drohen mit der Schufa – ob sie das auch umsetzen, ist allerdings ungewiss. Denn die Schufa trägt nur Vermerke von Mitgliedsfirmen ein. Und gerade Betrüger sind nicht Mitglied.

Dann könnte man es ja auch darauf ankommen lassen.

Auch das ist im Prinzip möglich. Jeder hat einmal im Jahr das Recht auf eine Gratis-Eigenauskunft. Liegt ein Eintrag vor, kann man immer noch bei der Firma oder dem Inkassobüro widersprechen und der Schufa eine Kopie schicken, damit sie das löscht. Strittige Forderungen speichert sie nicht. Aber den Ärger, den man vielleicht wegen eines verweigerten Handyvertrags hat, kann man sich sparen.

Und die Rechnung an sich, muss man die bezahlen?

Auch wer nicht widerspricht, braucht unberechtigte Forderungen nicht zu zahlen. Wer unsicher ist, ob eine Forderung berechtigt ist, lässt sich rechtlich beraten. Die Verbraucherzentralen kennen in der Regel viele „schwarze Schafe“. Zum Widerspruch raten wir ja nur wegen des eventuellen Schufa-Eintrags. Gauner drohen zwar massiv, aber vor Gericht ziehen sie den Kürzeren. Das wissen sie genau.

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