Interview Meldung

Christian Michaelis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg über untergeschobene Verträge.

Nun fangen auch Stromanbieter an, Verbrauchern bei unerwünschten Werbeanrufen Verträge unterzu­schieben, obwohl die gar nicht den Anbieter wechseln wollen.

Ja, diese Methode breitet sich immer mehr aus. Bisher kannten wir das vor allem von Telefonfirmen oder unseriösen Gewinnspielen. Nun machen das auch manche Stromanbieter, vor allem solche aus dem Billigsegment, die mit Vorkasse arbeiten – wo der Kunde also den Strom schon gleich fürs ganze Jahr im Voraus zahlen soll. Nur ein kurzer Werbeanruf, und schon hat der Verbraucher einen neuen Stromanbieter.

Das ist doch aber nicht erlaubt?

Nein, keineswegs. Schon unerbetene Werbeanrufe bei Privatleuten sind verboten. Aber wer sich bei so einem Anruf zu einem Vertragsabschluss überreden lässt, ist an seine Zusage gebunden. Was viele nicht wissen: Auch mündliche Verträge sind fest verbindlich. Wer am Telefon einen Vertrag abschließt, muss sich daran halten.

Aber viele Verbraucher schwören, dass sie bei dem Anruf gar nichts zugesagt haben.

Das erleben wir in der Tat immer wieder. Die Leute berichten, dass sie klipp und klar gesagt haben, sie möchten nichts. Dann fragt der Anrufer, ob er denn wenigstens Infoprospekte zuschicken darf. Sagt der Verbraucher „Ja“, wird ihm das vom Callcenter als Zustimmung zum Vertrag ausgelegt. Oder es wurde bewusst verschleiert, dass es um den Wechsel des Anbieters ging.

Wie kommt man da wieder heraus?

Einen im Fernabsatz, beispielsweise am Telefon, geschlossenen Vertrag darf der Kunde widerrufen. Normalerweise hat er dafür zwei Wochen Zeit. Wenn aber die Widerrufsbelehrung erst nach Vertragsabschluss mit der Auftragsbestätigung kommt, was bei einem telefonisch geschlossenen Vertrag die Regel ist, dann verlängert sich die Widerrufsfrist auf vier Wochen. Begründen muss man den Widerruf nicht. Man sollte ihn aber per Einschreiben und Rückschein abschicken.

Wann kommt das geplante Gesetz, das Verbrauchern in solchen Fällen mehr Rechte geben soll?

Das ist ungewiss. In so einem Gesetz muss unbedingt stehen, dass ein telefo­nischer Vertrag nur gültig ist, wenn der Kunde ihn schriftlich bestätigt. Aber die Lobby der Callcenter ist einflussreich und will das natürlich verhindern.

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