Interview Meldung

Bianca Schulz von Euro-Info-Verbraucher

Mit der Erweiterung der Europäischen Union entdecken Deutschlands Schnäppchen­jäger den Osten. Dort gibt es sicherlich das eine oder andere Produkt viel billiger als hierzulande. Doch Bianca Schulz von der Einrichtung Euro-Info ­Verbraucher e. V. aus Kehl rät zum Shoppen mit Bedacht. Noch sind in den Beitrittsländern einige besondere Regeln zu beachten.

Finanztest: Kauft man in den neuen EU-Ländern genauso sicher wie hierzulande?

Schulz: Ja. Die EU-Kommission bestätigt den dortigen Gesetzen in Sachen Verbraucherschutz allemal Mindeststandards. Niemand muss fürchten, beim polnischen Händler nicht reklamieren zu können, wenn Ware kaputt ist. Wer im Ausland einkauft, sollte aber immer sicherstellen, dass er den Vertragsinhalt auch versteht!

Finanztest: Lautet also die Devise beim nächsten Urlaub in Polen oder Ungarn: „Shoppen, bis der Wagen voll ist“?

Schulz: Besser nicht. Denn trotz des EU-Beitritts gelten in einigen neuen Ländern zunächst noch die alten Grenz- und Zollbestimmungen. Wer gezielt Schnäppchen jagen will, sollte sich zuvor über die jeweiligen Ein- und Ausfuhrbestimmungen informieren. Das geht im Internet etwa unter www.zoll.de. Es kann auch noch viele Jahre dauern, bis die neuen EU-Länder den Euro haben. So lange ist der Preisvergleich schwierig und es muss geklärt werden, ob für einzuführendes Bargeld eine Zollerklärung nötig ist.

Finanztest: Wissen Sie schon, welche Produkte in den Beitrittsländern für hiesige Verbraucher besonders lukrativ sind?

Schulz: Nein, aber viele Kunden fassen den Autokauf in Beitrittsländern ins Auge. Der kann sehr günstig sein. Doch oft ist es noch unklar, ob ein Wagen hier problemlos zugelassen werden kann. Wir raten noch zur Zurückhaltung. Auf alle Fälle sollten Neuwagenkäufer eine Zusage im Vertrag verlangen, wenn mit einer EU-weit gültigen Herstellergarantie geworben wird, und sie sollten auf dem Stempel des Fachhändlers im Serviceheft bestehen.

Finanztest: Was können Verbraucher tun, wenn Ware aus dem EU-Ausland Macken hat, der Verkäufer aber mauert?

Schulz: Dann helfen wir als Clearingstelle. Wir beraten über die Rechtslage und informieren über Schlichtungsmöglichkeiten im Einkaufsland. Wenn ein Verbraucher eine Schlichtung seines Streits möchte, leiten wir sie im Einkaufsland in die Wege und begleiten ihn in diesem Verfahren kostenlos. Falls nötig, leisten wir auch Übersetzungsdienste. Für Verbraucherstreitigkeiten in den Beitrittsländern können wir diesen Service allerdings noch nicht anbieten. Dort gibt es noch keine Clearingstellen, mit denen wir kooperieren könnten. Doch diese Stellen werden sicherlich bald eingerichtet.

Euro-Info-Verbraucher e.  V. erreichen Sie unter Tel. 0 78 51/99 14 80 oder unter www.eej-net.de.

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