Interview Meldung

Einen Vortrag mitzuschreiben, ist erlaubt. Aber ihn mit Handy oder neuen „Smartpens“ aufzuzeichnen, ist verboten, so Dr. Markus Junker, Münchner Anwalt und Experte für Urheberrecht.

Mit neuen Smartpens können Studenten mitschreiben und gleichzeitig alles Gesagte aufzeichnen. Tippt man später den Stift auf eine Stelle im Protokoll, spielt er den Wortlaut ab — praktisch, aber auch erlaubt?

Das Mitschreiben schon, das Aufzeichnen nicht. Bei öffentlichen Veranstaltungen kann es das Urheberrecht verletzen, bei nichtöffentlichen die „Vertraulichkeit des Wortes“. In beiden Fällen ist schon der Versuch strafbar, das Gerät kann eingezogen werden.

Warum der Unterschied zwischen Mitschreiben und Aufzeichnen?

Wer mitschreibt, kann Fehler einbauen, ein Wort verpassen oder den Sinn verdrehen. Er hält nicht unbedingt das Original fest. Ein Mitschnitt hingegen ist viel näher dran, authentischer, sogar bei Tonlage und Akzent. Wer nichtöffentlich spricht, weiß, wer ihm zuhört. Da soll er sich unbefangen fühlen und auch mal spontan äußern dürfen. Deshalb ist für Mitschnitte eine Ein­willigung erforderlich. Auch bei Handy- oder Telefonaufzeichnungen.

Telefonate sind ja auch privat. Aber Vorlesungen an der Uni?

Da geht die vorherrschende Meinung zwar davon aus, dass sie öffentlich sind, aber das gilt nicht für alle Veranstaltungen, und unumstritten ist es nicht. Wichtig ist das auch nur für die Vertraulichkeit des Wortes. Hinzu kommt das Urheberrecht. Und das verbietet in Paragraf 53, dass jemand einen öffentlichen Vortrag aufzeichnet.

Auch wenn das zu rein privaten Zwecken geschieht?

Auch bei rein privaten oder wissenschaftlichen Zwecken. Wobei auch urheberrechtlich gilt: Mitschreiben ist erlaubt, Mitschneiden verboten, ebenso das Veröffentlichen oder Verbreiten. Der Student darf beispielsweise seine wortgetreue Mitschrift nicht ins Internet stellen.

Und wenn sich ein paar Studenten zusammentun, immer nur einer in die Vorlesung geht und den anderen sein Protokoll zur Verfügung stellt?

Das bloße Mitschreiben ist ebenso wie die Erstellung eines Protokolls erlaubt, die Weitergabe an befreundete Kommilitonen rechtlich noch keine Veröffentlichung. Wer die Vorlesung auf Smartpen oder mit Handy oder Diktiergerät für sich aufzeichnen möchte, der sollte vorher den Dozenten fragen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 305 Nutzer finden das hilfreich.