Interview Meldung

Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein.

Oft zeigt sich die gegnerische Versicherung nach einem Autounfall ziemlich kratzbürstig.

Darüber gab es bisher oft Klagen. Aber inzwischen haben die Versicherer umgeschaltet. Nun sind sie betont freundlich. Sie melden sich oft schon wenige Stunden später: Man werde einen Gutachter schicken oder das Auto abholen, in die Werkstatt bringen und frisch gewaschen wieder vor die Tür stellen.

Das klingt nach tollem Service.

Klingt aber nur so. In Wahrheit bleiben viele Ansprüche des Unfallopfers auf der Strecke. Zum Beispiel kann der Gutachter den Wiederbeschaffungswert so oder so einschätzen. Oder er setzt die Stundensätze einer freien Werkstatt an. Der Kunde hat aber Anspruch auf eine Markenwerkstatt – und auf einen eigenen Sachverständigen.

Auch wenn der Versicherer schon einen Gutachter geschickt hat?

Wenn der Kunde sich vorher damit einverstanden erklärt hat, wird es schwierig, die Kosten für ein zweites Gutachten erstattet zu bekommen. Die Versicherung muss nur einen Sachverständigen bezahlen. Den darf aber der Kunde aussuchen, wenn es sich nicht um eine Bagatelle handelt. Der voraussichtliche Schaden sollte schon über etwa 700 Euro liegen.

Reicht nicht ein Kostenvoranschlag der Werkstatt?

Da kann es böse Überraschungen geben. So steht dort meist nichts über eine eventuelle Wertminderung. Und was zuerst nach einem Blechschaden aussieht, kann dann doch tragende Teile betreffen. Zudem hat der Kostenvoranschlag später keine beweissichernde Funktion.

Da wird es so kompliziert, dass man einen Anwalt braucht.

Genau. Den sollten Geschädigte auf jeden Fall nehmen. Denn dafür muss die gegnerische Versicherung zahlen, egal um welche Schadenhöhe es geht. Nur wenn den Geschädigten eine Teilschuld trifft, muss er anteilig mitzahlen.

Und für den Mietwagen auch?

Da ist es genauso. Wer ein Mietauto braucht, sollte aber Preise vergleichen, denn viele Verleiher nehmen für „Unfallersatzwagen“ viermal mehr als für normale Mietwagen. Aber klar: Wer nachts um drei Uhr im Schneegestöber irgendwo auf dem Lande steht und nur einen Verleiher in der Nähe findet, kann den nehmen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 180 Nutzer finden das hilfreich.