Interview Meldung

Professor Dr. Franz Daschner ist Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg.

Seit kurzem bieten Bosch und Siemens antibakterielle Kühlschränke gegen Bak­terien, Pilzwachstum und unangenehme Gerüche an. Was ist davon zu halten?

In die Innenwandbeschichtung ist Silber ein­gebaut, von dem schon lange bekannt ist, dass es antibakteriell wirkt, aber nur dann, wenn es in direkten Kontakt mit Bakterien kommt. Eine derartige Silberbeschichtung kann überhaupt nicht verhindern, dass Speisen verderben, denn die so genannten Lebensmittelvergifter befinden sich nicht nur auf der Oberfläche, sondern in sehr viel größerer Anzahl im Lebensmittel selbst und dahin gelangt das Silber aus dem Kühlschrank selbstverständlich nicht. Das ginge theoretisch nur dann, wenn die Hausfrau Wurst, Käse oder Fleisch offen lagern und dann auch noch an die Wand drücken würde.

Brauchen wir überhaupt mehr ­Hygiene im Kühlschrank?

In manchen Haushalten ist das sicher erwünscht, wenn beispielsweise verschimmelte Lebensmittel gelagert oder jenseits des Haltbarkeitsdatums weiter im Kühlschrank aufbewahrt werden. Mehr Hygiene durch antibakterielles Silber in der Innenwand von Kühlschränken brauchen wir aber sicher nicht.

Wie schützt sich der Verbraucher am besten vor verdorbenen Sachen?

Erstens gehören leicht verderbliche Lebensmittel unten in den Kühlschrank, weil es dort meistens kühler ist als oben, zweitens müssen sie sauber verpackt sein und drittens sollte man den Kühlschrank von Zeit zu Zeit mit lauwarmem Wasser, umweltfreundlichem Reiniger oder mit Essigwasser zur Geruchsbeseitigung auswaschen. Außerdem weiß natürlich jede vernünftige Hausfrau, dass sie leicht verderbliche Lebensmittel schnell verwenden sollte.

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