Interview Meldung

Egbert Groote

Viele Finanzberater rufen unaufgefordert bei Verbrauchern an. Sie nutzen den Überraschungseffekt zum sofortigen Vertragsabschluss oder für eine Terminvereinbarung. Finanztest fragte Egbert Groote, Jurist im Verbraucherzentrale Bundesverband e. V., wie Verbraucher sich gegen solche Kaltanrufe (Cold Calling) wehren können.

Finanztest: Dürfen Berater Verbraucher unaufgefordert zu Hause anrufen?

Groote: Nein. Ein Telefonanruf zu gewerblichen Zwecken im Privatbereich verstößt grundsätzlich gegen die guten Sitten des Wettbewerbs (§ 1 UWG). Er ist nur ausnahmsweise zulässig, wenn der Angerufene zuvor sein Einverständnis für einen solchen Anruf gegeben hat. Ein ­Telefonanruf ohne Einverständnis des Verbrauchers verletzt die Privatsphäre des Anschlussinhabers. Der Schutz der Individualsphäre hat eindeutig Vorrang gegenüber dem Gewinnstreben der ­gewerblichen Anrufer.

Finanztest: Darf ein Berater auf Empfehlung eines Freundes oder aufgrund einer schriftlichen Ankündigung anrufen?

Groote: Nein. Die Empfehlung des Freundes kann nicht das Einverständnis des Angerufenen ersetzen. Auch ein schriftlich angekündigter Telefonanruf ohne Einverständnis des Angerufenen ist unzulässig.

Finanztest: Wie können sich Verbraucher gegen Kaltanrufe wehren?

Groote: Verbraucher sollten solche Anrufe sofort beenden und den Anrufer auffordern, jede weitere telefonische Kontaktaufnahme zu unterlassen. Grundsätzlich gilt: Seriöse Unternehmen werben nicht auf diese Weise für Vertragsabschlüsse. Verbraucher können solche unerwünschten Anrufe auch dem Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) melden. Der vzbv (Telefon 0 30/258 00-0) leitet dann ein Abmahnverfahren und gegebenenfalls ein gerichtliches Unterlassungsverfahren wegen unlauterer Telefonwerbung ein.

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